Pressekonferenz02.11.2016 12:00

Deutschlands größte Krebsstudie zum Scheitern verurteilt: Werden 23 Millionen Euro in den Sand gesetzt?

Vor drei Jahren wurde die größte deutsche Therapiestudie zum Prostatakrebs aus der Taufe gehoben. Per Los sollen 7600 Patienten eine von vier möglichen Therapien (Totaloperation der Prostata, zwei unterschiedliche Bestrahlungen oder Aktive Überwachung) erhalten. Die Deutsche Krebshilfe und die Krankenkassen haben dafür aus Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen 23 Mio € bereitgestellt.
Das Konzept geht jedoch nicht auf, denn die Männer wollen an dieser Studie nicht teilnehmen. Für einen sinnvollen Zeitrahmen hätten pro Jahr 1500 Teilnehmer rekrutiert werden müssen, doch nach drei Jahren waren lediglich 350 hierzu bereit.
Somit ist diese Studie schon jetzt als gescheitert anzusehen. Der Schaden wird immens sein: Millionen werden in den Sand gesetzt, der Ruf des Forschungsstandortes Deutschland wird beschädigt und die teilnehmenden Patienten mussten ohne Mitsprache die durch das Los bestimmte Therapie über sich ergehen lassen.

Wie kann die größte deutsche Krebsstudie so kläglich scheitern?
Um bisherigen und potenziell an der Studie teilnehmenden Patienten gerecht zu werden, aber auch, um nicht weitere Millionen Euro zu vergeuden, muss diskutiert werden, ob und wie die Studie beendet werden muss oder in veränderter Form fortgeführt werden kann.

Teilnehmer der Diskussionsrunde: Prof. Rolf Harzmann, ehem. Direktor der Urologische Klinik (Augsburg), Prof. Dieter Hölzel, Emeritus am Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) der Ludwig-Maximilians-Universität, München), Prof. Franz Porzsolt, Versorgungsforschung, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Universitätsklinikum Ulm, Dr. Christiane Roloff, Allgemeinärztin (München), Dr. Reinhold Schaefer, Urologe (Bonn), Dr. Jürgen Tacke, Dermatologe (Köln), Prof. Kurt Ulm, Emeritus am Institut für Medizinische Statistik und Epidemiologie Technische Univ. München, Prof. Lothar Weißbach, ehem. Direktor der Urologischen Klinik Am Urban, Berlin, ehem. Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Moderation: Dr. Walther Grohmann, Urologe, München.

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