Tutorat 201208.02.2013 – 10.02.2013

Geschichten liegen auf der Straße - Reportageseminar in Kloster Banz

 

Geschichten liegen auf der Straße, heißt es. Jungjournalisten machten sich unter professioneller Anleitung ans Werk, an nur einem Wochenende im Rahmen eines Medienseminars vom 8. bis 10. Februar 2013 in Kloster Banz, eine Print- und Fernsehreportage über die Arbeit eines Gemüse- und Obsthändlers fertigzustellen.

„Lass den Standbesitzer auf die Kamera zulaufen, dann drehst Du die gleiche Szene nochmals von der anderen Seite, als Gegenschuß“, ruft Fernsehjournalist Thomas Kießling dem Nachwuchsjournalisten Florian Alexander Hähnel zu. Der reagiert schnell und läuft mit der Kamera zum Stand von Dieter Peterhänsel, der hier auf dem Bamberger Bauernmarkt seit Jahrzehnten Obst und Gemüse verkauft. Es muss alles sehr schnell gehen. Peterhänsel hat nicht viel Zeit. Es ist Samstagmorgen, acht Uhr und schon in wenigen Minuten kommt der Laster mit einer neuen Ladung Karotten und Lauch.

Der Gemüsehändler wuselt herum, packt Kisten aus und verstaut Kartoffeln, Salat und Weintrauben. So richtig Zeit für ein Interview hat er deswegen gerade nicht, dazu zeigt das Thermometer minus 5 Grad an. Nicht gerade die einfachste Situation, eine Fernsehreportage zu drehen, aber genau das ist die Aufgabe für die vier Teilnehmer des Reportageseminars, das die Nachwuchsjournalisten im Rahmen des Tutoratsprojekts vom Presseclub München besuchen.

Alleine sind sie aber nicht mit dieser Aufgabe, neben Thomas Kießling helfen Ihnen Christian Daubner (BR) und Kameramann Klaus Schubert.

Von ihnen lernen die vier Nachwuchsjournalisten, wie sie eine Geschichte für Fernsehen „reportagig“ erzählen können. Am Vorabend haben sie eine theoretische Einführung bekommen und das Thema recherchiert. Jetzt wird gedreht, die vier Teilnehmer bilden zwei Teams mit jeweils einer Kamera.

„Eine gute Reportage lebt von vielen situativen Elementen – damit lässt sich der Film spannend und authentisch erzählen“ – bekräftigen immer wieder die Referenten Kießling und Daubner. Deswegen halten sie die Nachwuchsjournalisten an, dem Gemüsehändler Peterhänsel, auch während er arbeitet, ständig Zwischenfragen zu stellen.

Kameramann Klaus Schubert beobachtet die beiden Kamerateams und unterstützt die jungen Journalisten bei den Dreharbeiten. „Bleibt mit der Kamera auf Augenhöhe eurer Interviewpartner und denkt an neutrale Einstellungen“, erklärt der Kameraexperte, „denn nur so können wir später die Bilder gut zusammenschneiden.“ Klaus Schubert hat in 40 Jahren Arbeit als Kameramann so einiges erlebt, hat schon auf verschiedensten Kontinenten gedreht, zum Teil auch in sehr schwierigen Situationen, wie bespielsweise im Kosovokrieg. Und wenn ihn die Teilnehmer in den Drehpausen immer wieder zu diesen Geschichten ausfragen, gibt er diese auch gerne zum Besten.

Zur gleichen Zeit recherchieren sechs weitere Jungjournalisten für Printreportagen. Sie erlernen bei Printjournalist Gunther Schnatmann das Handwerk für die Zeitungsreportage. Wie bei dem Fernsehteam gibt es zunächst eine theoretische Einführung, der Schwerpunkt liegt aber auf der Praxis.

Die Printreportagen drehen sich zum Beispiel um ein Portrait eines türkischen Delikatessenhändlers auf dem Bamberger Bauernmarkt. Auch schreiben die Teilnehmer eine Reportage über den Hersteller eines prämierten fränkischen Bock-Biers. Gunther Schnatmann erklärt den Teilnehmern, wie sie eine spannende Geschichte schreiben können. Das Seminar findet in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung statt. 

Für die Teilnehmer ist es eine einzigartige Chance, das journalistische Handwerk für Print- und Fernsehreportagen von Fachleuten zu lernen. Am Sonntag werden die Arbeiten präsentiert und besprochen. Ein besonderer Moment für die Teilnehmer, denn die Kritik eines jeden Beitrags ist sehr wichtig, es beim nächsten Mal noch besser zu machen.

Zum "Endprodukt" der Fernsehreportage

Hanns-Seidel-Stiftung

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