„Wir brauchen einen Booster durch Olympia“
Der neue OB Dominik Krause am 7. Mai zu Gast im PresseClub
Die Münchner Stadtspitze steht inzwischen. Doch einen Tag vor der Vorstellung des Koalitionsvertrags und in der Endphase der Koalitionsverhandlungen ließ es sich Dominik Krause nicht nehmen, für eine knappe Stunde in den PresseClub zu kommen. PresseClub Vize David-Pierce Brill und Vorstandsmitglied Constanze von Hassel führten das lebendige, flotte und entspannte Gespräch mit dem neuen Oberbürgermeister, an dem im Publikum auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern und fast schon Stammgast im PresseClub teilnahm, herzlich begrüßt von Dominik Krause.
„Sehr schön“ seien die ersten Tage als OB gewesen und die Gespräche mit den Koalitionspartnern SPD, FDP und Freien Wählern „sehr konstruktiv“. Der grüne OB dankte auch der CSU und deutete an, dass diese, obwohl in der Opposition, einen Referenten-, also Stadtministerposten bekommen würde, was inzwischen ja auch mit dem Kommunalreferat passiert ist. Allen sei klar, dass der Haushalt dringend saniert werden müsse. Krause sieht im laufenden Verwaltungshaushalt deutliches Sparpotential, um Handlungsspielräume für die wirklich wichtigen Themen zu gewinnen, als da sind der Bau von Wohnungen und Kitas und der Ausbau des ÖPNV. Krause bekräftigte die Zahl von 50.000 Wohnungen, er habe so kurz nach Amtsantritt zwar noch keinen festen Plan, aber er habe bereits zu einem Wohnungsgipfel eingeladen. Es gelte, nicht selbst zu bauen, sondern vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen.
Großes Vorbild für Krause, das wird immer wieder deutlich: Hans-Jochen Vogel, der seinerzeit in ähnlich jugendlichem Alter, sogar noch 1 Jahr jünger, ins Amt des Oberbürgermeisters gewählt worden war. Deshalb begrüßt auch Krause die Olympiabewerbung der Stadt München und hofft, dass die Stadt im Herbst im innerdeutschen Wettbewerb den Zuschlag bekommt. „Wir brauchen einen Booster durch Olympia“, so Krause und er zieht die Parallele zu den Olympischen Spielen 1972 und dem was damals im Vorfeld an Erneuerungen beschleunigt in die Gänge gekommen war. Vogel sei der Vater der modernen Stadtplanung gewesen, nun gelte es, die Stadtentwicklung digital fortzuschreiben.
Angesprochen darauf, ob seine 35 Jahre eine Chance oder eine Bürde sein, meint der gelernte Physiker sachlich: „Weder noch, sie sind kein Kriterium in keine Richtung“. Erfahrung zu haben sei nicht ganz falsch, aber immerhin sei er ja seit 12 Jahren Stadtrat und seit zweieinhalb Jahren Bürgermeister gewesen. Und zum Oktoberfest: „Es ist mir eine gigantische Ehre, anzapfen zu dürfen“. Das sei zwar nicht die wichtigste Aufgabe, aber in der Außenwahrnehmung schon von großer Bedeutung. Und so will er im Sommer ins Training gehen, um beim Anzapfen auf 2-3 Schläge zu kommen.
Und wie reagieren die Münchnerinnen und Münchner auf den Neuen? Er sei gewarnt worden, mit der U-Bahn zu fahren. Er werde aber nett angesprochen, Anfeindungen habe er keine erlebt. Locker gibt er auf alle Fragen Antwort, die nicht im Detail den zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht ganz fertig verhandelten Koalitionsvertrag betreffen. Nach 45 Minuten geht ein munteres Gespräch zu Ende, bei dem auch viel gelacht wurde. Und als kleinen Glücksbringer bekommt der Gast beim Abschied eine Ansteckpin mit der Bavaria drauf in die Hand gedrückt. Es wird interessant sein zu sehen, wie die 100-Tage-Bilanz von OB Dominik Krause ausfallen wird, zu der wir ihn hoffentlich wieder im PresseClub begrüßen dürfen.
