Die Paralympics folgen Olympia

Die Paralympics folgen Olympia – wie die siebenfache Goldmedaillengewinnerin Anna Schaffelhuber und Skilegende Christian Neureuther im PresseClub für die Heilkraft des Sports kämpfen

Olympia in Cortina d‘Ampezzo ist vorbei, aber es gibt weiter Spitzensport: Am 6. März beginnen in Italien die Paralympics, sie gehen bis zum 15. März. Im PresseClub waren dazu die siebenfache Goldmedaillengewinnerin im Monoski, Anna Schaffelhuber, 30, und der ehemalige Skistar Christian Neureuther, 76, zu Gast. Die beiden kennen und schätzen sich sehr und sind leidenschaftliche Anwälte des Sports. „Ich zähle mein Leben nicht in Dekaden, sondern in Olympiaden“ erzählte Christian Neureuther, der dem Sport und der Ehe mit Rosi Mittermaier zuliebe sein Medizinstudium abgebrochen hatte. „Ich hatte Angst, dass die Rosi mir sonst der Hansi Hinterseer ausspannt“, erzählte er PresseClub-Moderator Manfred Otzelberger im Talk auf dem Podium. Aber dann wurde Neureuther, der immer auch unterhaltsam war (Dalli, Dalli ….. Sonntags-Stammtisch beim BR), ernster: „Deutschland braucht dringend wieder olympische Spiele, das würde uns so einen Schub geben. In Norwegen haben die Olympischen Spiele in Lillehammer 1994 das ganze Land verändert. Die Kinder können dort alle möglichen Sportarten ausprobieren und haben täglich Schulsport, bei uns fällt er oft aus. In Norwegen steht der Sport in der Verfassung, auch deshalb haben die Norweger wieder die Nationenwertung bei Olympia gewonnen.“

Auch Anna Schaffelhuber, die 2019 ihre Karriere beendet hat und heute Lehrerin und zweifache Mutter ist, wünscht sich Olympische Spiele, die ja immer nachfolgend mit den Paralympics verbunden sind: „Ein Olympisches Dorf ist zu hundert Prozent barrierefrei, das findet man sonst in München nicht. Von solchen Verbesserungen zehrt man als Gesellschaft jahrzehntelang. Es geht beim Sport nicht nur um die Sportler, sondern um die ganze Gesellschaft.“

Anna Schaffelhuber veranstaltet „Grenzenlos Camps“ für Jugendliche, behinderte und nichtbehinderte: „Da geht es um Sportarten wie Ski, Kajak und Klettern. Aber auch um Persönlichkeitsbildung und Medienkompetenz. Die Kinder lernen, wie man einen Film dreht. Und wie man sich auf Augenhöhe mit Behinderten im Rollstuhl begibt. Wir haben bereits 14 Camps veranstaltet, aber wir brauchen immer wieder Spenden und Sponsoren dafür.“

Schaffelhuber freut sich, dass die Paralympics jetzt wieder im Fernsehen mit guten Einschaltquoten zu sehen sind: „Es ist wichtig zu sehen, welche großartige Leistungen Menschen mit Behinderung bringen. Das beeinflusst auch ihren Stand in der Gesellschaft. Ich hatte großartige Eltern, die mir alles ermöglicht haben. Behindert habe ich mich in der Uni gefühlt wegen der vielen Barrieren, nicht am Berg und auf der Piste.“

Christian Neureuther, der mit seiner Stiftung, die er mit Sohn Felix betreibt, 180 000 Kinder in Bewegung gebracht hat, wünscht sich, dass jedes Kind in einen der 11500 bayerischen Sportvereine geht: „Die Kinder haben heute oft eine Bildschirmzeit von sechs Stunden, eine Stunde Sport täglich wäre wunderbar. Sonst haben wir immer mehr dicke, unbewegliche Kinder.“

Text: Manfred Otzelberger

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