Ein Museum für die Münchner –
Dr. Markus Speidel, Direktor des derzeit geschlossenen Münchner Stadtmuseums zu Gast im Presseclub
„Es war immer ein kleiner geheimer Wunsch von mir, Direktor des Stadtmuseums zu werden“, so beschreibt Markus Speidel, der zuvor diverse verantwortungsvolle Positionen in Baden-Württembergs Museumslandschaft bekleidete, seine innere Verbundenheit mit München. Verbundenheit, die auch herrührt vom Volontariat beim Deutschen Museum in München, seiner Promotion und von seiner Ehefrau, einer waschechten Münchnerin. Studiert hat Speidel Wissenschafts- und Technikgeschichte und Europäische Ethnologie.
Nun also sozusagen am Ziel seiner Wünsche kommt Markus Speidel aus dem Strahlen nicht heraus, als er im Gespräch mit PresseClub-Mitglied Peter Althammer und den Zuhörern im Saal die Sammlungen seines Hauses in einer langen Reihe aufzählt. Sie reichen, um nur einige zu nennen, von der mittelalterlichen Rüstung- und Waffensammlung über Graphik, Gemälde, Möbel, Musikinstrumente, Foto, Film und Puppentheater bis zur Schaustellersammlung mit Flohzirkusgeschirr und Geisterbahn. 4,5 bis 5 Millionen Objekte sind es wohl, schätzt Speidel, der seit 1. Juli 2025 Chef des Hauses mit gut 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist.
Das Problem ist nur: Das Haus ist derzeit geschlossen und soll, wenn alles gut geht, erst 2031 wiedereröffnet werden. Die Großbaustelle ist nötig geworden, weil viele Gebäudeteile in die Jahre gekommen sind und grundlegend saniert werden müssen. Dabei werden auch die einzelnen Räume technisch und klimatisch ertüchtigt, damit die Exponate keinen Schaden nehmen. Die erfreuen nicht nur in München, sondern sind auch immer wieder bei anderen Museen gefragt. „Ich unterschreibe laufend Leihverträge und das ist ein gutes Zeichen“, so der Chef über die qualitätvolle Sammlung.
5 Jahre bis zur Wiedereröffnung – eine lange Zeit, vor allem auch in volatilen Zeiten wie den jetzigen. Denn auch umgekehrt gesehen, was vor fünf Jahren war, liegt eine halbe Ewigkeit zurück. Und so zögert Markus Speidel auch, Details zur Konzeption zu nennen. Aber so viel ist schon klar: Das Museum bekommt im Zuge des 250 Millionen Euro Projekts im bisherigen Handwerkerhof, der mit einem Glasdach überdacht wird, einen neuen würfelförmigen Gebäudeteil. Von dem aus sollen Rundgänge durchs Museum möglich werden, wie es sie bisher in dieser Form noch nicht gibt. Das Atrium im Erdgeschoss soll kostenlos zugänglich sein und zu einem Treffpunkt für die Stadtgesellschaft werden und Lust machen, auch mal ins Museum zu schauen. Es soll auch sogenannte Resonanzräume geben, wo Themen sichtbar werden, die die Menschen beschäftigen. Dabei sollen die Besucher nicht nur rezipieren, aufnehmen, sondern die Angebote sollen „partizipativ, kollaborativ“ sein, wie es der Museumschef formuliert. Auch an drei Dauerausstellungen ist gedacht, die sich mit der Geschichte des Museums beschäftigen, mit wichtigen Themen und mit der Fülle und Breite der Sammlung. So konzipiert, dass die Besucher sie auch alle drei auf einmal anschauen können, um einen umfassenden Eindruck vom Münchner Stadtmuseum zu bekommen.
Was der Museumsdirektor wohl in seiner Eröffnungsrede 2031 sagen wird, will Moderator Peter Althammer zum Schluss wissen. Allgemeines Gelächter. „Nehmt’s Euch“ – sagt Markus Speidel. Denn das Haus soll ein Museum der Münchner werden, das den Menschen am Herzen liegt. Und es soll darin die Vielfalt der Stadt und der Gesellschaft deutlich werden. Und dieser Gedanke kommt nicht von ungefähr, denn ein Großteil der Sammlung ist über die Jahrhunderte aus der Münchner Stadtgesellschaft ins Haus gekommen.
