„Menschenrechtsverbundener Islam gehört zu Deutschland“ – Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

„Menschenrechtsverbundener Islam gehört zu Deutschland“ – Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Seit November 2014 ist Heinrich Bedford-Strohm Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Jetzt gab er im PresseClub München erste Einblicke in die Schwerpunkte seiner Arbeit. Der Sozialethiker will gesellschaftliche und kirchliche Aufgaben lösen: Wie geht man mit Austrittswilligen und dem Mitgliederschwund um – und welches Verhältnis zum Islam wünscht er sich? Auf dem Podium stellte er sich den Fragen von Peter Schmalz, stellvertretender Vorsitzender des PresseClub München.

Das Verhältnis von Kirche und Gesellschaft zum Islam ist für ihn eines der aktuell und künftig wichtigen. Ein menschenrechtsverbundener Islam gehört zu Deutschland", lautet Bedford-Strohms Formel. Gemeinsam mit Muslimen und weiteren Gruppen wolle er an einer positiven Vision des Zusammenlebens arbeiten, so der Bischof. Fundamentalismus in jeder Form erteilte er dabei eine Absage. Die Religion – und dabei meinte er nicht nur die von ihm vertretene Konfession oder Religion – gebe der Gesellschaft Kraft. Dieser Ansatz werde zur Lösung von Problemen helfen, ist er sicher.

„Menschenrechtsverbundener Islam gehört zu Deutschland“ – Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Auch in Bezug auf die Krise und den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland sieht er Möglichkeiten, wie sich Christen für eine Lösung einsetzen können. So sei man mit der orthodoxen Kirche im Dialog, die in Russland und der Ukraine stark sei. Religion als verbindendes, nicht trennendes Element.

Getrennt haben sich dagegen manche Gläubige von seiner Kirche: So gab es in Bayern im Jahr 2014 mit 30.586 Kirchenaustritten einen Negativrekord. Noch im Vorjahr waren es 18.869 Menschen, die der Kirche den Rücken zuwandten. Allerdings sei die hohe Zahl des Jahres 2014 wohl stark auf die Neuregelung beim Abzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge zurückzuführen. Das sei bei vielen Gläubigen als neue Extra-Abgabe angekommen. Allerdings gibt es auch positive Zeichen, die auf eine starke Bindung zwischen Gläubigen und Kirche hindeuten: 73% der Gläubigen können sich aktuell keinen Kirchenaustritt vorstellen – noch 2002 (61%) und 1992 (55%) sahen das wesentlich weniger evangelische Christen so.

Text: Thomas Kletschke, Fotos: Hans Schwepfinger

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