Presseclub Forum10.06.2013–11.06.2013

FRAUEN IM VATIKAN / Laptop und Flügelhaube - Buchpräsentation

Clubmitglied  Dr. Marta Schad: "Gottes mächtige Dienerin", Herbig Verlag 2007

Vierzig Jahre an der Seite von Papst Pius XII. – nie hatte eine Frau im Vatikan soviel Macht wie Schwester Pascalina aus Altötting. Sie stieg von einer einfachen Haushälterin zur unentbehrlichen und einflussreichen Privatsekretärin des Papstes auf. Eng vertraut mit den Kardinälen Francis Spellman und Michael von Faulhaber unterstützte sie in der Nachkriegszeit durch ihre Arbeit im päpstlichen Hilfswerk tatkräftig die Aufbauarbeit in  Deutschland und speziell in Bayern. Martha Schad zeichnet in ihrem Buch „Gottes mächtige Dienerin“ das facettenreiche Leben der „Hüterin des Papstes“ anhand von bisher unveröffentlichten Briefen und Dokumenten nach.

Ursprünglich sollte Schwester Pascalina Lehnert (1894-1983) nur aushilfsweise für einige Wochen als Haushälterin der Nuntiatur Eugenio Pacellis in München eingesetzt werden. Daraus wurde eine vierzig Jahre dauernde Aufgabe, die Schwester Pascalina zur treuen Vertrauten des Papstes machte. 24-jährig trat sie in den Hausdienst bei Nuntius Eugenio Pacelli ein. Dort erlebte sie die schwierigen Jahre des Umbruchs nach dem Ersten Weltkrieg, in denen Eugenio Pacelli des Öfteren gezwungen war, in der Schweiz Zuflucht zu suchen. Schwester Pascalina folgte ihm nach Berlin und 1930 nach Rom, wo sie auch nach seiner Wahl zum Papst Pius XII. an seiner Seite blieb. Die prekäre Zeit des Zweiten Weltkrieges, in der sich Pius XII. den Ruf des „Schweigepapstes“ erwarb, verbrachte Schwester Pascalina auf diese Weise im Zentrum der vatikanischen Macht und hatte Einblick in die Entscheidungsprozesse auf oberster Ebene. Sie begleitete Pius XII. auf vielen seiner apostolischen Reisen und hatte die Macht, Audienzen zuzulassen oder Besuche beim Papst zu verhindern. Nach dem Krieg wurde sie den Deutschen, speziell den Münchnern, zum Segen. Sie leitete das päpstliche Hilfswerk und arbeitete im unermüdlichen Dienst für die Versorgung der Armen gemeinsam mit Kardinal Michael von Faulhaber. Als Papst Pius XII. 1958 starb, setzte sich Schwester Pascalina bis an ihr Lebensende ausdauernd für seine Seligsprechung ein. Ihre Hoffnung auf die Seligsprechung von Pius XII. noch zu ihrer Lebzeit erfüllte sich jedoch nicht.

Schwester Pascalina pflegte einen äußerst regen Briefwechsel. Ausgehend von diesen bisher weitgehend unveröffentlichten Dokumenten zeichnet Martha Schad den Lebensweg der bayerischen Schwester nach, die bis zu ihrem Tod dem Dienst für Gott und an den Menschen treu blieb. Dabei entsteht ein neues Bild der „Hüterin des Papstes“, wie Schwester Pascalina genannt wurde, das bisher unbekannte Facetten ihres Lebens und Wirkens aufzeigt. 

Gudrun Sailer: "Frauen im Vatikan. Begegnungen, Porträts, Bilder"
St. Benno Verlag, 2007
Wer meint, hinter jeder staubfreien Papst-Statue stehe eine Frau, der irrt: Nur Männer putzen im Petersdom. Ein Schlaglicht, gewiss, doch es erhellt die tägliche Arbeitswelt im Kirchenstaat treffend. Denn Frauen im Vatikan wirken heute überwiegend auf mittleren Ebenen, beispielsweise als Referentinnen, Theologinnen, Archivarinnen, Journalistinnen. Kopfarbeiterinnen also - keine Hilfsarbeiterinnen. Obwohl es auch die gibt und sie großartige Dienste leisten.  

Im Vatikan sind heute ca. 600 Frauen beschäftigt, das entspricht knapp 16 Prozent der päpstlichen Belegschaft. Nebenbei gesagt, ist gleicher Lohn für gleiche Arbeit im Vatikan seit jeher eine Selbstverständlichkeit. Dabei ist die Geschichte weiblicher Angestellter im Kirchenstaat jung: Vor dem II. Vatikanischen Konzil (also vor 1965) war ihre tätige Anwesenheit hier überhaupt nicht vorgesehen, es sei denn als Haushälterinnen einzelner dort lebender Kardinäle. In anderen Worten: Die Präsenz von Frauen im Vatikan ist in den vergangenen 40 Jahren heimlich, still und konsequent von praktisch Null auf 600 gestiegen.

Interessant ist, dass es vor drei bis vier Jahren eine echte Zäsur gab, die außerhalb der dicken Vatikanmauern kaum wahrgenommen wurde. Der greise Papst Johannes Paul II. ernannte binnen weniger Monate zum ersten Mal zwei Präsidentinnen päpstlicher Akademien, er berief zwei Theologinnen, darunter eine Deutsche, ins wichtigste theologische Beratungsgremium der katholischen Kirche, und zu guter Letzt bescherte er dem Vatikan nach 2000 Jahren seinen ersten weiblichen Staatssekretär.  

Als erste Journalistin überhaupt hat Gudrun Sailer die stille "rosa Revolution" im Kirchenstaat unter die Lupe genommen. Für ihr Buch "Frauen im Vatikan. Porträts, Begegnungen, Bilder" bat sie 16 weibliche Angestellte vors Mikrofon, die heute in der einen oder anderen Weise im Vatikan für Papst und Kirche arbeiten: seit wenigen Jahren oder seit langer Zeit, teils als einfache Bedienstete, teils als Führungskräfte, teils als Betende, oft als Gelehrte und in einem Fall als Ehefrau und Mutter. Viele der Porträtierten haben nie zuvor im Rahmen eines Interviews über ihre Tätigkeit und sich selbst gesprochen. In ihrem Vorwort schreibt die Autorin: „Einige wenige Frauen, deren stilles Wirken ich in diesem Buch gerne vorgestellt hätte, gaben mir einen Korb. Andere, von denen ich einen Korb erwartete, sagten auf Anhieb zu.“

So warten die Texte über die Frauen im Vatikan mit echten Überraschungen auf: eine Lutheranerin, die seit Jahrzehnten den Papst in Deutsche übersetzt. Eine streitbare Schwester, die das Bauarchiv von Sankt Peter leitet und in ihren zehntausenden Dokumenten welche gefunden hat, die einwandfrei belegen, dass nicht nur Männer am Petersdom mitbauten. Eine amerikanische Franziskanerin, die damals den Kardinälen beibrachte, wie man mit einer Computermaus umgeht. Ingrid Stampa, der es zu den Ohren herauskommt, wenn von ihr behauptet wird, sie koche "am liebsten Apfelstrudel und Semmelknödel" für Joseph Ratzinger. Und die deutsche Dogmatik-Professorin Barbara Hallensleben, die nach ihrer Berufung an die Internationale Theologische Kommission von erfreuten männlichen Kollegen mit den Worten begrüßt wurde: „Gut, dass Sie da sind! Die Atmosphäre bessert sich mit der Anwesenheit von Frauen.“  

Spät, aber unaufhaltsam setzt sich im Papststaat die Erkenntnis durch, dass das Schiff mit Frauen an Bord zügiger dahinsegelt – in eine Zukunft, die weiblicher als die Gegenwart sein wird. Freilich versichern die weiblichen Kräfte im Vatikan hoch und heilig, dass nicht die äußere Position der Frauen in der Kirche zählt, sondern das, was sie zu sagen und zu geben haben. Keine der Papstangestellten bricht – zumindest nicht öffentlich - eine Lanze für weibliche Priester oder will eine Frau als Kardinal sehen. Sichtbarkeit gilt nicht als Wert an sich, im Gegenteil. Doch dass es bei der 16-Prozent-Marke nicht bleibt, davon sind die meisten überzeugt. Die Dogmatikerin Hallensleben sagte Gudrun Sailer im Interview: “Frauen in der Kirche, das ist ein organischer Prozess. Er mag seine Blockaden haben und seine Verunsicherungen hervorrufen. Aber er ist!“

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