PresseCub-Forum08.10.2014 19:00

Unterdrückt - Unterbezahlt - Unbeschäftigt: Ein Hilferuf der Fernsehschaffenden

Der Finanzierung öffentlich-rechtlicher Programme ist laut KEF-Bericht aus Frühjahr 2014 unzureichend. Die Höhe der Haushaltsabgabe hält weder mit  Teuerungs- noch Inflationsrate Schritt. Zusätzlich geben die Sender viel weniger aus, als sie bewilligt bekamen. Produzenten und Fernsehschaffende bemängeln nicht nur öffentlich-rechtliche Austrocknung, auch die Privatsender drücken Preise und Konditionen in fragwürdiger Weise, wie Bundesverbände der Gewerke monieren.
Die Situation der Fernsehmacher, die sich in der „Deutschen Akademie für Fernsehen“ /DAFF www.deutscheakademiefuerfernsehen.de zusammengeschlossen haben ist Thema des aktuellen Forum im PresseClub München.
Besonders in Bayern läuft man dabei Gefahr in einer wesentlichen Medienindustrie das Erreichte zu verlieren: Weltweit verbindet man den Standort Bayern (insbesondere  München) mit seinen Erfolgen im Bereich Film und TV. Hier sind die wesentlichen Player, Produzenten, Rechtehändler, Hardwareentwickler (ARRI/DEDO/Panther/Schmiedle/Chrosziel etc.) zu Hause. Die Produktionsperipherie im Bereich Doku/News/Fiktion/Show/Movie lieferte international geschätzte Produkte. Dazu eine der weltweit dichtesten Film- und Fernsehbildungslandschaften von HFF und BAF bis macromedia, Deutsche POP, mediadesign etc.  Darüber hinaus gibt es eine Branche mit über 30 Gewerken (Gewandmeister, Stuntprofis, Castingagenten, Sprecher, Producer, Kameraleute, Darsteller, Beleuchter etc.), die am Standort München etwa 10.000 Freie und mittelständische Kleinunternehmer ausmacht.

Diese hochspezialisierte Landschaft wird innerhalb der nächsten 2-3 Jahre abgebaut sein. Immerhin handelt es sich um einen Schlüsselfaktor der bayerischen Medienlandschaft und um ein wichtiges Moment der sogenannten Kreativwirtschaft, die mit erheblichen Mitteln im Freistaat gefördert werden soll.

Die Ursachen liegen im wesentlichen im Auftragsverhalten der öffentlich-rechtlichen Sender. Das Bayerische Fernsehen z.B. produziert nach Angaben des Bayer. Rechnungshofes nur noch mit einem Bruchteil seines Jahresetats. Davon landet der Löwenanteil bei seinen Töchtern und Nichten (BAVARIA, Studio Hamburg, BAVARIA Studio GmbH, SAXONIA…). Da es sich um einen reinen Auftragsmarkt handelt, schlagen sich die Auswirkungen auf die freie Fernsehlandschaft sofort nieder. Ausgelagert werden häufig nur noch Entwicklungsarbeiten und risikobehaftete Projekte. Verschärfend kommt eine Zahlungsmoral hinzu, die schon einmal preisgekrönte Münchner Produzenten ( z.B. typhoon AG) in die Insolvenz trieb. Um neue Projekte realisieren zu können werden die freien Stäbe gebeten in immense Vorleistungen zu gehen. Zu diesem Gehabe der Öffentlich-rechtlichen kommt die Tendenz der Privaten auf Neuproduktionen und Pilotproduktionen zu verzichten: „Seit Beteiligungsfirmen und deren Controller die Sender steuern gehen die Auftragsproduktionen diametral zur Gewinnabführung zurück“, Zitat eines freien TV-Produzenten. Man setzt auf Eigenproduktionen und ausländische Lizenzware, die bereits andernorts erfolgreich war.

Am 08. Oktober veranstaltet der Int. PresseClub München ein öffentliches Forum zur Zukunft des TV-Standortes Bayern. Hierzu werden bayerische Vertreter der Verbände der Film- und Fernsehschaffenden sowie Vorstände der Deutschen Akademie für Fernsehen berichten. Die Moderation übernimmt Presseclub-Vorstand Uwe Brückner.

 

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