Pressegespräch06.02.2018 11:00

Ein Atomkrieg aus Versehen? – Horst Teltschik und Pierre-Dominique Ponnelle über eine Nacht, in der die Welt kurz vorm Dritten Weltkrieg stand

Donald Trump brüstet sich, er habe einen größeren Atomknopf als der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un. Die Frage, ob damit die Gefahr eines Atomkriegs erneut gestiegen ist, wird auch die Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar beschäftigen. Wenige Tage davor erinnern Horst Teltschik, der ehemalige außenpolitische Berater von Kanzler Helmut Kohl, und der Komponist Pierre-Dominique Ponnelle im PresseClub an eine Nacht vor 35 Jahren, in der ein sowjetischer Atomschlag unmittelbar bevorstand: Am 26. September 1983 meldete das sowjetische Raketen-Frühwarnsystem um 0.15 Uhr den Anflug amerikanischer Raketen. Der diensthabende „operative Wachhabende“ Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow, der einen erkrankten Kollegen vertrat, hätte nach Dienstvorschrift sofort einen Gegenschlag auslösen müssen. Doch obwohl sich die Warnungen innerhalb weniger Minuten wiederholten, meldete er seinen Vorgesetzten einen „Fehlalarm“. Später stellte sich heraus: Der Alarm war ein Computerfehler. „Er hat die Welt vor einem Dritten Weltkrieg bewahrt“, meint Teltschik. Und Ponnelle sagt: „Er hätte den Friedensnobelpreis verdient.“ Das aber ist nicht mehr möglich: Oberstleutnant a.D. Petrow starb im Mai vergangenen Jahres. Ihm zu Ehren hat Ponnelle eine „Ode an Stanislaw Jewgrafowitsch“ komponiert. Das Orgelwerk wird am Sonntag, 11. Februar, um 10 Uhr in der Münchner Erlöserkirche uraufgeführt.

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