US-Generalkonsulin Jennifer D. Gavito

US-Generalkonsulin Jennifer D. Gavito. Foto: Hans Schwepfinger.

Das Interesse war groß, als die amerikanische Generalkonsulin Jennifer D. Gavito nur zwei Wochen nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump sich den Fragen im PresseClub stellte. Bei dem Hintergrundgespräch, über das nicht berichtet wurde, ging es um vor allem um die Erwartungen an die neuen Regierung in Washington: Gibt es weiter eine engen Partnerschaft mit Europa, bekennen sich die USA auch künftig zur Nate? Müssen deutsche Firmen hohe Exportzölle befürchten? Lassen die ersten Dekret des Präsidenten befürchten, dass Amerika sich abschottet? PresseClub-Vorsitzender Peter Schmalz dankte der Generalkonsulin für ihren Besuch und die ausführliche Diskussion.

Foto: Hans Schwepfinger

On Air oder Online: Wieviel Welle braucht die Radioausbildung?

Lebhafte Diskussion um die Zukunft des Münchner Ausbildungs- und Studentenradio „M94,5“ im Münchner Presseclub am 27.01.2017

Ja, die Abschaltung der deutschen UKW-Frequenzen wird noch dauern. Ein verbindlicher Termin wurde unbestimmt verschoben. Dennoch soll das afk-Radio „M94,5“ seine gewohnte UKW-Welle schon in wenigen Monaten verlieren und dann als DAB+-Sender mit wenigen Dutzend Münchner Hörern weitermachen. Das schade dem Ausbildungszweck nicht, immerhin sei DAB+ ja auch terrestrisch und man könne auch dort „ON Air“ gehen und die Motivation daraus mitnehmen. Außerdem sei man ja auch permanent im Web zu hören. Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien/BLM schlug den Medienräten bereits im Dezember vor, die Ausbildungswelle mit den vielen Hundert erfolgreichen Zöglingen ins digitale Outback zu entlassen. Auch Schneider wolle die Ausbildung sichern und ins „Trimediale“ hinüberführen. Dort sei die Zukunft und mittelfristig seien dort auch wieder viele Zuhörer.

Die Medienräte des Hörfunkausschusses aber wollten sich noch stärker informieren und stimmten bereits Anfang Dezember mit 8 : 8 für einen Aufschub der Entscheidung. Im Presseclub konnte man sich aus erster Hand informieren über Chancen und Risiken. Insbesondere Dr. Bernhard Goodwin vom Institut für Kommunikationswissenschaft an der LMU, selbst seit 18 Jahren mit den Dingen in und um den Aus- und Fortbildungskanal befasst, warnte vor schnellen Entscheidungen. Der Ausbildungs-charakter hänge massiv vom Livecharakter und von einer großen öffentlichen Resonanz ab. Neben dem Ausbildungsbetrieb sei M94,5 ein echter Radiosender mit Themen, die den Medienstandort bereicherten. Dr. Goodwin betonte dabei auch das nichtkommerzielle Moment, welches sich nutzbringend in außergewöhnliche Themen und Independent Music - Auswahl einbringe. Er würdigte dabei die Aufbauleistung, die bei diesem Erfolgsprojekt von BLM über Jahrzehnte geleistet wurde. „Pro Jahr steuer wir 800.000 € bei“, konkretisierte der BLM-Chef an dieser Stelle.

Junge AFK-Redaktionsmitglieder berichteten aus dem Redaktionsdienst des 20-Jahre-jungen Münchner Radiosenders und wiesen auf die Bedeutung des UKW-Betriebes für Publikum und Medienpartner hin: „Die Relevanz bei den Musikverlagen und auch bei den Bands wird sinken, wenn wir die UKW verlieren“. Der On Air-Betrieb über UKW sei Kult und müsse dort auch auffindbar bleiben.

Willi Schreiner, selbst Radioprofi und seit Jahrzehnten Manager in Diensten der Neuen Welle-Sender, wies als Vorsitzender des VBL/Verband Bayerischer Lokalrundfunk auf die Marktverschiebung hin. Eine der größten und erfolgreichsten Radiostationen würde mit seinem Ableger „Rockantenne“, der die M95,4 –Frequenz in München erhalten soll, noch mehr Hörerpotential erhalten. Die Spendings im Radiomarkt würden sich nicht erhöhen, wenn neue Player große Wellen erhielten.

Als Kompromiss stellte BLM-Präsident Siegfried Schneider die Überlassung der alten Erdinger UKW-Stützfrequenz in Aussicht. Diese würde Rockantenne ggfs. in einem Tausch an das Münchner AFK-Radio abgeben. Ein AFK-Programmfenster auf der UKW M94,5 beizubehalten wurde ebenfalls diskutiert.

Das Thema „UKW-Ausstieg“ des afk-Radios in München steht bei der nächsten Sitzung des Medienrates/Hörfunkausschuß am 09. Februar erneut auf der Tagesordnung.

Uwe Brückner

Durch und durch digital – Bayerns Wirtschaft wandelt sich

Pressegespräch mit Wirtschaftsministerien Ilse Aigner. Foto: Robert Auerbacher.

Am 25. Januar stand Staatsministerin Ilse Aigner im Internationalen PresseClub München den Journalistinnen und Journalisten Rede und Antwort. Die Ministerin des Großressorts Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gab Einblicke in die aktuelle und kommende Arbeit der Landesregierung. Thema des von PresseClub-Vorsitzendem Peter Schmalz moderierten Pressegesprächs: „Drohen dem bayerischen Wirtschaftswunder Gefahren?“

 

Aktuell glänzt der Freistaat als Primus unter allen Bundesländern: Höchste Exportquote, niedrigste Arbeitslosenquote, deutlich mehr Investitionen in die Digitalisierung als die 15 anderen Bundesländer zusammen, hohe Attraktivität auch für internationale Konzerne. Dennoch drohen Gefahren. Die erste sieht die Ministerin im Land selbst: „Wer sich auf diesem Erfolg ausruht, gefährdet die Zukunft.“ Also: Wer Spitze bleiben will, muss sich anstrengen. Die zweite Gefahr droht von außen, vor allem von den bayerischen Hauptexportländern Großbritannien und den USA. Noch ist unklar, wie sich der Brexit und die sich abzeichnende protektionistische Außenhandelspolitik der Trump-Regierung auswirken wird. Auf jeden Fall, so Ilse Aigner, sei es richtig, dass Ministerpräsident Horst Seehofer den neuen amerikanischen Präsidenten unverzüglich nach Bayern eingeladen hat.

Die für Bayern traditionell enge Partnerschaft mit China ist auch nicht sorgenfrei. Peking biete seinen europäischen Partnern noch immer keinen Austausch auf Augenhöhe, etwa beim freien Zugang zum chinesischen Markt: Während China im Westen, auch in Bayern, zunehmend investiere und die Vorzüge des freien Marktes nutze, unterlägen ausländische Investoren in China immer strengeren Restriktionen.

Zum Zukunftsthema Digitalisierung zeigten Ilse Aigners Äußerungen, dass der Freistaat eine Digital Bavaria-Agenda fährt. Mit insgesamt 80 Millionen Euro wird innerhalb von vier Jahren ein vielschichtiges – und nicht über-komplexes, also praktikables – Förderprogramm für bayerische Unternehmen aller Branchen durchgeführt. Vom „Digitalbonus“ profitieren können Unternehmen, die im weitesten Sinne IT-Anwendungen entwickeln oder verbessern – vom Start up bis zum Konzern, aber auch Handwerksbetriebe und Handelsorganisationen. Gefördert werden allerdings nur IT Leistungen, die über den allgemeinen Standard hinausgehen. Die eigene Website, die Anschaffung von ein paar Servern oder der Umstieg auf ein neues Betriebssystem sind nicht bonusfähig.

Beispiele für diese erfolgreiche Technologiepolitik gibt es bereits: So wird IBM Mitte Februar sein Watson IoT Center eröffnen, das in München angesiedelt ist. Der US-Konzern investiert nach eigenen Angaben insgesamt 200 Millionen US-Dollar und schafft im Münchner Norden 1.000 hochqualifizierte Arbeitsplätze. Auch BMW spielt beim Internet der Dinge eine wichtige Rolle – übrigens auch bei der Standortentscheidung von „Big Blue“ für die bayerische Landeshauptstadt. Doch die bayerische Staatsregierung, betonte die Ministerin, setzt bei der Digitalisierung nicht nur auf den High Tech-Standort München: Im Land verteilt, werden regionale Förderzentren hochgezogen. Allein in den vergangenen Wochen gab es Eröffnungen in Franken und Schwaben. Von den über 8,5 Millionen Euro Fördergeldern profitieren vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Mit 20 neuen Lehrstühlen für Digitalisierung wird landesweit auch bei der angewandten Wissenschaft ein markanter Akzent gesetzt. Zudem soll die entsprechende Aus- und Fortbildung auch außeruniversitär gefördert werden.

Ach ja, da droht dann doch noch eine Gefahr, gesteht Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ein:
Aufgrund des seit langen anhaltenden Wirtschaftbooms fehlt es an Fachkräften. Und dann ist da noch eine Gefahr, an die man im ersten Moment gar nicht denkt: Die hohe Wirtschaftskraft führt auch zu hohen Löhnen. Das ist zwar schön für alle, meint die Ministerin, kann aber manchen verleiten, statt innovativ und mit Risiko ein Start up zu gründen, lieber den hoch dotierten Job in Festanstellung annimmt. Ein Luxusproblem, das andere auch gerne hätten, doch der Freistaat, mahnt die Ministerin, braucht für sein Zukunftsmodell Bayern 4.0 den Mut und die Ideen möglichst vieler kreativer Jungunternehmer.

Text: Thomas Kletschke. Fotos: Robert Auerbacher.

Mit strahlender Zuversicht ins Neue Jahr

EKD-Ratsvorsitzender und Landesbischof Bedford-Strohm zum Jahresbeginn im PresseClub

Landesbischof Bedford-Strohm zum Jahresbeginn im PresseClub. Foto: Johann Schwepfinger.

Es gibt Menschen, die lassen die Sonne aufgehen, wenn sie einen Raum betreten, auch und gerade, wenn sich noch so dunkle Wolken über der Zukunft auftürmen. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat uns mit seiner Glaubenszuversicht am 19. Januar viele solcher Sonnenstrahlen übermittelt.

„Wir brauchen diesen Segen unseres HERREN mehr denn je!“ Der Anfang dieses Jahres findet uns verunsichert. Die Menschen sind von Sorge erfüllt, erleben ihre Ohnmacht gegenüber den Veränderungen in der Welt. Sie erleben das unermessliche Leid der Menschen in Aleppo und anderswo, aber auch direkt vor ihrer Haustür. Und manche glauben, dem allen mit Aggression und Hetze begegnen zu können. Neuer Antisemitismus spricht aus den Reden ihrer Anführer. Angesichts dieser Bedrohungen ist es wichtig, sich immer wieder des Kerns unserer Werte bewusst zu werden, unseres Grundgesetzes mit dem ersten und grundlegenden Artikel zur Unverletzlichkeit der Würde aller Menschen.

„Wir werden laut werden müssen und diesen Personen keinen Fuß breit Platz lassen!“ mahnte der Landesbischof und wies zugleich darauf hin, dass unserm Land gerade wegen der gelungenen Aufarbeitung des NS-Regimes hohe Anerkennung gezollt wird. Der Kern unserer Verfassung entspränge zutiefst dem christlichen Glauben. Der Glaube ist die Grundlage unserer Kultur. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Math. 24,40). Unser Gottesglaube fordert von uns den Einsatz für die Gemeinschaft. Der Mensch ist gefordert.

Was nun das Lutherjahr betrifft, so sieht Bedford-Strohm heute schon, dass wir die Früchte der Besinnung auf Luther ernten, insbesondere in der Ökumene. So habe der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx am Abend zuvor in der evangelischen Matthäus-Kirche eine Predigt gehalten, von der er jedes Wort unterstreichen könne. Auch Marx sei zuversichtlich, dass die Einheit kommen würde - eine Einheit in Vielfalt. Luther sei es ja nicht darum gegangen, die Kirche zu spalten, sondern Christus neu zu entdecken. Sein Buch „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ sei hochaktuell. Wichtig sei, dass beim Gedenken an 500 Jahre Reformation die Botschaft im Vordergrund stehe und nicht eine Heldenverehrung, zu der Luther auch wegen seiner Einstellung zu den Juden nicht tauge.

In der Diskussion wurde Bedford-Strohm zunächst auf die Ereignisse bei der Prozession am Karfreitag in Jerusalem angesprochen, als er und Kardinal Marx darauf verzichteten,  ihre Amtskreuze beim Moscheebesuch und an der Klagemauer zu tragen. Er wisse bis heute nicht, was richtig gewesen wäre. Das Kreuz sei ja nicht ein Machtsymbol, sondern ein Symbol der Demut. Er und Kardinal Marx seien am 20. Oktober den Bitten der muslimischen und jüdischen Zuständigen für die heiligen Stätten der jeweiligen Religionen gefolgt. Sowohl er als auch Reinhard Kardinal Marx hatten ihre Amtskreuze getragen, als sie den Tempelberg betraten. Im Lutherrock und Kardinalsgewand waren beide  klar als christliche Geistliche zu erkennen.

Seine christliche Grundhaltung sei nicht, das Kreuz „demonstrativ vorneweg zu tragen" und dadurch Zwietracht zu säen, sagte Bedford-Strohm: „Ich habe als Repräsentant einer Religion die Aufgabe, friedensstiftend zu wirken. Wenn ich das nicht tue, werde ich meiner Verantwortung nicht gerecht". Die Präsidentin der Israelischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, bedankte sich ausdrücklich für diese Einstellung. Es sei in Wirklichkeit die Entscheidung eines Einzelnen gewesen, den beiden Vertretern der christlichen Kirchen diesen Rat zu erteilen, über den sie sehr entsetzt gewesen sei.

Auf die Frage von PresseClub-Mitglied Günther von Lojewski, ob die Kirchen nicht stärker in die Offensive z gehen und deutlicher herausstellen könnten, was die christlichen Kirchen von den anderen Religionsgemeinschaften trennt, antwortete Bedford-Strohm mit dem Hinweis, dies geschehe ja bereits in sämtlichen Medien. Den Unterschied sieht er kurz formuliert in der radikalen Liebe.  Voraussichtlich im April erscheine sein neuestes Buch „Radikal lieben – Anstöße für eine mutige Kirche der Zukunft“. Er sei überzeugt, dass Frömmigkeit und Dankbarkeit ausgesprochene Zukunftskonzepte auch der Jugend seien.

Weitere Fragen konzentrierten sich auf  die immer stärkere Ökumene. Bedford-Strohm konnte darauf verweisen, dass er in Kürze gemeinsam mit einer Delegation der EKD dem Papst die neue evangelische Bibel überreichen werde. Schon früher habe der Papst seine Meinung kund getan, dass es nicht primär auf die Dogmen ankäme, sondern auf die Bedürfnisse und Befindlichkeiten der Gläubigen. Dennoch sei es in einer Weltkirche wie der katholischen Kirche schwierig, diese allumfassend  einzufangen. Daher könne man sich auch nicht auf Zeithorizonte festlegen, sondern müsse sich auf den Heiligen Geist verlassen.

Bezüglich der bevorstehenden Wahlkämpfe solle man keine Ängste schüren. Von denen, die ein Amt anstreben, müsse man ethisches Verhalten anfordern und alles bekämpfen, was nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar ist.

Zuletzt verwies Bedford-Strohm auf den  zum Lutherjahr erschienenen, umfangreichen und reich bebilderten „Reiseführer 2017 / Der Reformationssommer in Bayern“, herausgegeben von der Evang-Luth. Kirche in Bayern, mit Hinweisen auf alle Veranstaltungen zum Lutherjahr in Bayern. Kontakt: Pfarrer Christian Düfel, Nürnberg, Tel. 0911/214 23 49, reformationsdekade@elkb.de

Text: Werner Siegert. Fotos: Johann Schwepfinger.

Der PresseClub in Nürnberg, nicht nur bei Kaiser Karl IV

Der PresseClub in Nürnberg, nicht nur bei Kaiser Karl IV. Foto: Johann Schwepfinger.

Wir mussten eine Scharte auswetzen und wurden dafür reich belohnt. Kaiser Karl IV, dem in Nürnberg bei der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung gehuldigt wird, sei in München geradezu unbekannt oder gar verachtet, stichelte unser Führer, Dr. Wolfgang Jahn. Dafür gäbe es mehrere Gründe. 1346 wurde Karl in Bonn, „dem falschen Ort“, als Gegenkönig zu König Ludwig dem Bayern gekrönt. Seine zweite Krönung zum römischen König erfolgte 1349 in Aachen. Ferner habe er die Reichsinsignien nicht den Wittelsbachern in München anvertraut, sondern nach Wien in die Hofburg verbracht! Auch wurde den mehrfachen Ansinnen, diese Kleinodien endlich nach München zu überführen, immer wieder eine Abfuhr zuteil. Soviel Ignoranz hinterlässt in München bis heute Spuren.

Also begaben wir uns am 14. Dezember auf die Reise nach Nürnberg, um im Germanischen Museum die kostbaren, aus vielen Ländern stammenden und meist einmalig zur Verfügung gestellten Ausstellungsstücke zu bewundern und von Dr. Jahn erläutert zu bekommen.

Zuvor war die Ausstellung mit geringfügigen Varianten in Prag zu sehen. Mit gutem Grund, denn Karl IV gilt dort als der Vater des Vaterlandes und als bekanntester Tscheche, nicht zuletzt, weil er Prag sein eindrucksvolles Gepräge gegeben hat. Prag, wo er am 14. Mai vor 700 Jahren geboren ist, wurde durch ihn zum Kunstzentrum des Heiligen Römischen Reiches. Neben Prag spielte die Reichsstadt Nürnberg für ihn eine wichtige Rolle, wo er häufig in der Kaiserburg residierte und für ihn im nahen Lauf an der Pegnitz das Wenzelsschloss erbaut wurde.

Es ist hier nicht der Ort für einen Ausstellungsführer. Dafür müssen sich Interessente schon selbst auf die Reise machen. Fast 40.000 aus dem In- und Ausland sind bereits der Einladung gefolgt, die Ausstellung ist noch bis zum 5. März 2017 geöffnet, an den Weihnachtsfeiertagen und an Silvester allerdings geschlossen. Der Katalog gilt mit seinen 708 reich bebilderten Seiten zum Preis von 24 € inzwischen als das Standardwerk zu Kaiser Karl IV.

Die Ausstellung verschweigt keinesfalls die Schattenseiten dieses Herrschers, so auch seine unrühmliche Rolle bei der Vertreibung und Ermordung der Juden in Nürnberg, den Abriss ihrer Häuser, wodurch ein großer Platz inmitten der Altstadt geschaffen wurde, der zum Hauptmarkt mit dem Schönen Brunnen wurde – ursprünglich eine bewusste Demonstration, heute der Raum für den alljährlichen Christkindlesmarkt.

Der war auch das zweite Ziel unserer Exkursion, geführt vom Schatzmeister des Nürnberger PresseClubs, Dieter Barth, der zugleich auch Vorsitzen der des Forums deutscher Presseclubs ist. Vorbei an der „Straße der Menschenrechte“ hinüber zum weihnachtlichen Markt, wo uns hoch an der Frauenkirche nochmals der Kaiser begegnete: Ähnlich dem Glockenspiel am Münchner Rathaus huldigen dort die sieben Kurfürsten dem Herrscher, Einheimischen und Touristen bekannt als das „Männlalaufen“.

Nach einer Stärkung mit Bratwürsten und Schaschlik fühlten wir uns fit, auch das letzte Ziel zu erreichen: den PresseClubNürnberg hinter einer pompösen, von Säulen beherrschten Fassade, im Haus der Nürnberger Akademie. Da kamen wir, die wir gegenwärtig und zum Glück nur vorübergehend in beengten Räumen leben müssen, ins Staunen: Für Veranstaltungen jeglicher Art verfügen die Nürnberger Kollegen über einen Prunksaal mit gut 240 Quadratmetern, umsäumt von marmornen Säulen. Auf der Gastronomie-Empore erwartete uns der Servicechef Christian Feuerlein mit Getränken nach Wahl und leckeren Lebkuchen. In gemütlichen Sesseln verschnaufend, machte uns Dieter Barth mit dem gänzlich anderen Konzept des Nürnberger Clubs bekannt: keine Pressekonferenzen wie in München, sondern Abendveranstaltungen ab 19 Uhr. Ein heißes Thema bildeten die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei und ihre Folgen auf das Arbeiten und Leben der türkischen Kollegen in Nürnberg.

Was für ein gelungener Tag! Um den uns alle Kollegen, die nicht mitfahren konnten, sicher beneiden.

Text: Werner Siegert. Fotos: Johann Schwepfinger.