Unsere Reise zu den freiwilligen Bayern ins Coburger Land

So eine PresseClub-Reise hat viel Ähnlichkeit mit Weihnachten. Wochenlang ist unser starkes Team mit Clubchef Peter Schmalz und Managerin Angelica Fuss an der Spitze bestrebt, für uns tolle Geschenke auszudenken, zu prüfen, zu ermöglichen und zu arrangieren – gut, wir zahlen auch ein Scherflein dazu – und dann kommt der lang ersehnte Tag, der Bus steht da, wir machen es uns gemütlich, Angelika zählt die Häupter der Glücklichen. Alle waren überpünktlich. Um 7:55 h am 19. Mai startet der Bus vor dem Regent-Hotel und die Geschenke reihen sich wie eine Perlenkette – 3 Tage lang. Inge Nestler verteilt an die vom frühen Aufstehen Ermatteten süße Stärkungen. Die Natur hat ihr schönstes Gewand angelegt, mit frischem Grün und leuchtend gelben Rapsfeldern. So ist bereits die Fahrt bis zu unserer ersten Station Kloster Banz, hoch über dem Maintal, ein Genuss. Schon von fern grüßen die markanten Doppeltürme der Klosterkirche; ganz anders als die vom gegenüberliegenden Kloster Vierzehnheiligen, die sich zu verstecken scheinen.

Kloster Banz – mit wechselvoller Geschichte

Presseclub Reise 2017: Unterwegs zu den freiwilligen Bayern ins Coburger Land. Foto: Hans Schwepfinger.

Nur ganz kurz: Erst war da eine stark befestigte Burg. Um 1070 gründete Gräfin Alberada im Vollzug eines Gelübdes auf dem Burgberg eine Benediktiner-Abtei. 1505 bis auf die Grundmauern abgebrannt, wurde sie jedoch alsbald wieder aufgebaut, in den Bauernkriegen wieder zerstört. Nach dem Wiederaufbau im Dreißigjährigen Krieg abermals geplündert und geschleift. Jedes Mal erstand die Klosteranlage prächtiger als zuvor. Diesmal unter den Architekten Ludwig Dientzenhofer und Balthasar Neumann. Die Blüte des Klosterlebens endete mit der Säkularisation. 1814 erwarben die Wittelsbacher das Kloster als Sommer-Residenz. 1918 verpachteten sie es an den Trappisten-Orden, der sich jedoch alsbald durch die vielen neugierigen Touristen gestört fühlte. 1933 wechselte Banz ins Eigentum des Missionsordens der Gemeinschaft von den Heiligen Engeln. Im 2. Weltkrieg wurde es Lazarett, dann bis 1964 ein Caritas-Altenheim.

Jeder, der heute auf den Klosterberg fährt, fragt sich: Wie kann man diesen riesigen Komplex erhalten und bewirtschaften? So ist er auch immer mehr verfallen und konnte kaum noch notdürftig repariert werden.

1979 erwarb die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung das einstige Kloster für 1 Deutsche Mark! Das sagt alles über den Zustand. Die Stiftung verpflichtete sich damit, die gesamte Anlage zu restaurieren und zu erhalten. Der Leiter von Kloster Banz, Michael Möslein, der uns im prachtvollen Kaisersaal willkommen hieß, führte uns in die Geschichte auf dem Klosterberg in humorvoller Ausführlichkeit ein, um dann auf die harten Fakten des Wiederaufbaus einzugehen. Im 1. Bauabschnitt mussten 30 Hektar Dachfläche für 5 Mio DM saniert werden, ehe mit der Restaurierung der Gebäude begonnen werden konnte. 1983 feierliche Eröffnung eines Teils der Anlage für Tagungen, Seminare und Festlichkeiten, um aus den Erlösen den weiteren Ausbau mit finanzieren zu können. Heute steht der ganze Komplex nicht nur der CSU, sondern allen Interessenten für die Erwachsenenbildung, aber auch für private Feiern zur Verfügung: u.a. 79 Einzel- und 36 Doppelzimmer sowie 12 Seminarräume mit modernster Tagungstechnik, großes Fürstenzimmer, Kaisersaal, Schwimmbad, Sauna, Kegelbahn, gepflegte Außenanlagen und rundum der „Gottesgarten am Obermain“. Mit 40.000 Übernachtungen im Jahr und einer Küchenkapazität von 400 Mahlzeiten am Tag hat die Hanns-Seidel-Stiftung den Klosterkomplex wieder zur Blüte gebracht, nicht zuletzt davon profitierend, dass der andere Standort Wildbad Kreuth nicht mehr zur Verfügung steht.

Nach Übergabe unseres Gastgeschenkes „Maibock-Krug 2017“ durch Peter Schmalz, kurzer Führung und leckerem Mittagessen drängte der enge Zeitplan zur Weiterreise. Nur wenige konnten auch noch einen flüchtigen Blick in die von Dientzenhofer erbaute prächtige Barock-Klosterkirche werfen.

Vom Kloster zur Veste Coburg, von den Katholischen zu den Evangelischen

Presseclub Reise 2017: Unterwegs zu den freiwilligen Bayern ins Coburger Land. Foto: Hans Schwepfinger.

Um die Verspätung wieder einzuholen, verzichteten wir auf das Einchecken und Frischmachen im Hotel. Unser nächstes Ziel war die Bayerische Landesausstellung im Luther-Jahr 2017 „Ritter, Bauern, Lutheraner“ auf der Veste Coburg, dem schon von Weitem beherrschenden Blickpunkt. Ein halbes Jahr hat Martin Luther 1530 auf der Festung gelebt und sich der Reichsacht entzogen, Veranlassung für das Haus der Bayerischen Geschichte genug, hier zusammen zu tragen und zu zeigen, was von dieser Zeit, von Luther, von der Reformation und Gegenreformation Bedeutendes verblieben ist. Zitat aus dem Prospekt: „Vor 500 Jahren – eine Zeit stürmischer Bewegung – Die Ritter kämpfen ihren letzten Kampf, die Bauern stehen auf und bei den Stadtbürgern gärt es ... Die Schriften Martin Luthers bringen jahrhundertealte Gewissheiten ins Wanken ... Im Schutz der Veste Coburg verfolgt Luther 1530 den Augsburger Reichstag“.

In zwei Gruppen begeben wir uns auf die anderthalbstündige Führung zu ausgewählten Exponaten, Fingerhüte, goldene Hostienschränkchen, der Tod, ein hölzerndes Gerippe, auf einem Löwen reitend, viertelstündlich einen Knochen schwingend und die Zunge bläkend, Luthers Wohn- und Arbeitsräume, der kostbare gläserne Hedwigsbecher aus Luthers Besitz, ursprünglich im Besitz der Hl. Elisabeth von Thüringen. Schnell geht es vorbei an interessierenden Original-Drucken und Dokumenten. Man könne ja anschließend nochmal in Ruhe durch die Ausstellung gehen; was natürlich illusorisch ist; denn ohnehin dauert alles länger als vorgesehen. Die Besichtigung der Stadtkirche St. Moriz muss auf den nächsten Tag verschoben werden.

Ziemlich geschafft von diesem reich beschenkten Tag nach früher Anreise checken wir im Romantik-Hotel „Goldene Traube“ ein, exzellent ausgewählt, ein empfehlenswertes Haus. Wer schnell unter eine erfrischende Dusche huscht, muss erst neueste Technologie testen, um sich nicht unversehens die ganze Haarpracht zu verregnen. Man lernt nicht aus.

So erquickt machen wir uns auf zum Gasthaus „Goldenes Kreuz“ und erhoben, frei nach Homer, abermals die Hände zum lecker bereiteten Mahle. Dank der guten Kontakte von PresseClub-Vize Uwe Brückner, der aus dem nahen Bad Rodach stammt, hatten wir dazu einen überaus interessanten Zeitzeugen: Jörg Bernhard Bilke, Journalisten und Buchautor, der – aus der Bundesrepublik kommend – am 9. September 1961 während der Leipziger Buchmesse von der Stasi verhaftet und zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Er wurde nach drei Jahren Haft für 40.000 DM von der Bundesregierung freigekauft. Zitat aus dem Internet: „Bilke weiß spannend zu erzählen – das zuweilen überbordende Detailwissen tut dem keinen Abbruch.“ So war es denn auch. Er mag es einigen von uns verzeihen, dass sie dem nicht in ständigem Wachzustand folgen konnten.

Samstag, 20. Mai: Morizkirche, Stadtführung, Fahrt zur Heldburg und zum Schloss Callenberg

Presseclub Reise 2017: Unterwegs zu den freiwilligen Bayern ins Coburger Land. Foto: Hans Schwepfinger.

Tolles Frühstück! Kein Wunsch bleibt unerfüllt! Vielen Dank! Und so gestärkt wird erst einmal die Besichtigung und Führung durch die „Luther-Kirche“ St. Moriz nachgeholt, husch, husch, weil schon die Konzertbesucher hineinströmen und eine Taufe angesagt ist. Im ursprünglich gotischen katholischen Gotteshaus zog später mit der Reformation die typisch evangelische, frühklassizistische Kargheit ein. Hier predigte Martin Luther in seiner Coburger Zeit. Beherrscht wird die Kirche vom Hochaltar, einem prächtigen, über 13 Meter hohen Epitaph aus Alabaster mit biblischen Darstellungen.

Die Stadtführung führt über den geschäftigen Marktplatz, gesäumt vom Renaissance-Rathaus, dem prachtvollen Stadthaus im Stil der Spätrenaissance und stolzen Bürgerhäusern. Wäre man nicht so satt und in Eile, so würde man sich hier eine original Coburger Bratwurst gönnen, gegrillt über Kiefernzapfen. Die Länge würde angeblich das Bratwurst-Männle auf dem Rathaus vorgeben, das aber in Wirklichkeit den Stadtheiligen St. Mauritius darstellt. Wir entdecken auch einen Laden, der Klöße zum Mitnehmen verkauft, sozusagen „Kloß‘ to go“.

Spätestens bei der Stadtführung wird dann auch die weise Entscheidung der Bürger aus Stadt und Land Coburg gepriesen, die sich in einer Volksabstimmung 1919 „freiwillig“ dafür entschieden haben, nicht zu Thüringen, sondern zum Freistaat Bayern gehören zu wollen. Sie seien also die einzigen freiwilligen Bayern! Und sind so später dem Schicksal entgangen, zur DDR zu gehören. Bayer sein lohnt sich!

Beim Mittagessen im Gasthof „Loreley“ beehrt uns die 2. Bürgermeisterin Dr. Birgit Weber (CSU) zugleich Referatsleiterin Bauen, Umwelt und Tourismus im ansonsten SPD-geführten Stadtrat. Sie berichtet von den großen Fortschritten, die Coburg in jüngster Zeit durch die verbesserte Infrastruktur, durch bedeutende Industrieansiedlungen, durch die Hochschule für angewandte Wissenschaften mit Schwerpunkt Design gemacht hat und dass die baldige Fertigstellung der ICE-Strecke von Nürnberg über Bamberg, Coburg, Erfurt, Leipzig nach Berlin, die dem aufblühenden Tourismus nochmals einen Schub verpassen wird.

Schnell in den Bus, nicht nur, weil er im Halteverbot steht, sondern weil die Veste Heldburg mit dem im September 2016 eröffneten Deutschen Burgen-Museum auf uns wartet. Dabei überqueren wir unbemerkt die Landesgrenze nach Thüringen. Die mittelalterliche Burg erhebt sich auf einem 403 m hohen Fels, was wir spürten; denn noch vom Mittagessen ermüdet, mussten wir den Berg schweißtreibend erwandern, ein kleiner Vorgeschmack auf die vielen Treppenstufen, die noch auf uns warteten. Empfangen wurden wir von Professor Dr. Ulrich Großmann, dem Leiter des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, der uns im Burghof in die Geschichte der Burg einführte, die nach einem Brand gerade wieder mit einem Aufwand von 7,2 Mio € aus Mitteln der EU, des Bundes und des Landes Thüringen saniert worden war. Passend zum Lutherjahr präsentierte man in der Burg eine Sonderausstellung unter dem Motto „Ein feste Burg ist unser Gott“. Leider war das geplante Café noch nicht eröffnet. Überdies war schon wieder Eile angesagt: Im Schloss Callenberg erwartete uns längst S.H. Prinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha. Er nahm es mit vornehmer Gelassenheit, dass wir mit fast einer halben Stunde Verspätung den Schlossberg herauf kamen und führte uns gleich in die fast 400 Jahre alte Schlosskapelle, die als frühes Beispiel protestantischer Kirchen-Architektur gilt.

Auf lockere Weise erläuterte er uns die verschlungenen, nicht immer einfachen Verhältnisse zwischen der Coburg-Gothaischen und der Englischen sowie südeuropäischen Verwandtschaft. Im 19. Jahrhundert galt ähnlich wie in Austria, dass die Coburger Herzogsfamilie durch geschickte Heiratspolitik und Diplomatie international an Ansehen gewann und vorteilhafte Verbindungen knüpfen konnte. Insbesondere die beiden Weltkriege und eine problematische Neigung des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha zum Nationalsozialismus stellten die Verwandtschaft auf eine Zerreißprobe. S.H. Prinz Hubertus beantwortete alle unsere Fragen mit großer Offenheit und erhielt – wie alle unsere Gesprächspartner – als Gastgeschenk den Münchner Maibock-Krug 2017. Ob er je daraus trinken wird?

Leider gab es auch in Schloss Callenberg kein Café. Aber es war ja schon bald Abend und Zeit, um 19 Uhr im Brauhaus Coburg das Abendessen einzunehmen. Welch ‘ein Tag!

Sonntag, 21. Mai, Goldene Traube ade, auf zum Spielzeug-Museum nach Sonneberg, Mittagessen in der Perle des Frankenlandes Seßlach – und leider schon Heimreise

Presseclub Reise 2017: Unterwegs zu den freiwilligen Bayern ins Coburger Land. Foto: Hans Schwepfinger.

Die Koffer gepackt und ein letztes Mal das vielseitige, üppige Frühstück einschließlich Fränkischem Perlwein genossen. Hinein in den Bus, wieder eine Fahrt durch die sonnige fränkische Hügel-Landschaft. Irgendwo verlief dort einmal die Zonengrenze. Sonneberg lag in der DDR. Die Leiterin des Museums, Frau Reinhild Schneider gab uns eine kurze Einführung in die Geschichte des Hauses. 1901 wurde das „Industrie- und Gewerbe-Museum des Meininger Oberlandes“ gegründet. Daraus entwickelte sich die in Deutschland bedeutendste historische Spielzeug-Sammlung. Zugleich wurde Sonneberg in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Weltzentrum der Spielwaren-Produktion und des Handels, vertreten auf allen Weltausstellungen mit prämiierten und patentierten Neuheiten. Längst ist eine Erweiterung und Modernisierung des Museums fällig. Sie soll in 5 Bauabschnitten erfolgen, wovon gerade einmal der erste vollzogen ist. Es war vorauszusehen, dass in uns sofort der Spieltrieb erwacht, das Staunen über die mechanisierten Puppen nicht minder, die Spielzeugautos und Eisenbahnen. Die Führung endete beim bekanntesten Ausstellungsstück des Museums, der Schaugruppe „Thüringer Kirmes“ mit 67 lebensecht wirkenden Figuren, die ein typisches ländliches Volksfest feiern, 1910 auf der Weltausstellung in Brüssel präsentiert und mit einem „Grand Prix“ ausgezeichnet. Leider keine Zeit mehr für die Puppen. „Kommen Sie doch mal wieder!“ Trostreiche Worte beim Abschied.

Seßlach? Wo liegt denn Seßlach? Südwestlich von Coburg, ein Stück die 303 entlang, dann auf kleinen Straßen zu erreichen – und genau diese abseitige Lage war ein Vorteil für diese „Perle des Frankenlandes“, wie uns Bürgermeister Martin Mittag (CSU) beim Mittagessen im Altstadthof erläuterte. Das kleine Seßlach hatte bereits 1335 vom Kaiser Ludwig dem Bayern das Stadt- und Befestigungsrecht erhalten und eine bis heute vollständig erhaltene Ringmauer mit drei Stadttoren errichtet. Da sie abseits der großen Verkehrswege liegt, wurde sie weitgehend von kriegerischen Ereignissen verschont. Dadurch ist das mittelalterliche Stadtbild bis auf ein paar Steinhäuser am Markt, die Folge eines Brandes, erhalten. Stolz führte uns der Bürgermeister noch durch seine Stadt. Wir wären gern – wie überall auf unserer Reise - länger geblieben. Aber die Reiseleitung musste zum Aufbruch drängen.

Nach sicherer, ruhiger Fahrt, souverän durch unseren Busfahrer Torsten Panek, erreichten wir Punkt 19 Uhr planmäßig den Bushalt am Münchner Hauptbahnhof. Es war wieder eine rundherum schöne, informative, bereichernde Reise, für die alle Mitreisenden Peter Schmalz, insbesondere unserer Angelica Fuss und auch der stets hilfsbereiten Inge Nestler aufrichtigen Dank zollten.

Text: Werner Siegert

Fotos: Hans Schwepfinger

Offener Brief an den türkischen Generalkonsul Mesut Koç zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai 2017

02.05.2017

Liebe Mitglieder,

wenige Wochen nach dem Putsch in der Türkei hatten wir den türkischen Generalkonsul bei uns zu Gast im PresseClub. Er hat damals die erste Welle der Verhaftungen und Entlassungen gerechtfertigt und allen Betroffenen ein rechtsstaatliches Verfahren zugesichert. Seither hat sich die rechtsstaatliche Lage in der Türkei erheblich verschlechtert, vor allem die Presse- und Meinungsfreiheit scheint bedroht.

Zum morgigen Tag der Pressefreit haben deshalb der Bayerische Journalisten-Verband, der Verein Journalisten helfen Journalisten, der nach dem Tod von Egon Scotland gegründet wurde, und der PresseClub München vereinbart, einen gemeinsamen Offenen Brief an den türkischen Generalkonsul in München zu schrieben. Uns war es besonders wichtig, auch auf die unerträgliche Lage unseres Kollegen Deniz Yücel hinzuweisen und seine Entlassung aus der Haft zu verlangen.

Wir halten uns gewöhnlich mit öffentlichen Äußerungen zurück, doch angesichts der beunruhigenden Nachrichten aus der Türkei hat der Vorstand einhellig zugestimmt, dass wir mit den beiden hoch angesehen Organisationen einen gemeinsamen Offenen Brief schreiben. Er wurde auch an die Medien gegeben, so dass eine Berichterstattung zu erwarten ist. Den Brief, den wir heute zugestellt haben, füge ich zu Ihrer Information bei.

Herzliche Grüße
Ihr Peter Schmalz

Ehrung für PresseClub Vorstand Hans Schwepfinger

Ehrung für PresseClub Vorstand Hans Schwepfinger. Foto: Gerog Lehmacher.

Presseclub Vorstandsmitglied Hans Schwepfinger erhielt am 25. März 2017 von der Luftrettungsstaffel Bayern e.V. die Ehrennadel in Gold. Wir gratulieren!

Foto: Gerog Lehmacher

Mit strahlender Zuversicht ins Neue Jahr

Münchner IBM-Internet-Zentrum verändert die Welt

Münchner IBM-Internet-Zentrum verändert die Welt. Pressekonferenz am 8.03.2017. Foto: Robert Auerbacher.

Als Highlight für den PresseClub kam am 8. März 2017 Niklaus H. Waser, der CEO des nagelneuen IBM Global Headquarters, aus den Highlight-Towers, Münchens höchsten Hochhäusern, zur Pressekonferenz. Die Wissbegier war groß, soll sich doch hinter dem First European Watson Research Center mit seinen „interactive spaces“ etwas vollziehen, was bisher einzigartig auf der Welt ist, und das nicht in den USA, wo die anderen 13 IBM-Einheiten ihren Sitz haben, sondern ausgerechnet in München. Hier soll schwerpunktmäßig die vielseitig einsetzbare Software Watson (genannt nach dem Gründer der IBM) erstellt werden, die für eine bessere Vernetzung von Mensch, Maschine und Computer sorgen soll. IoT steht für Internet of Things, es geht darum, unstrukturierte Informationen in strukturierte Daten zu verwandeln, aus denen dann ein Mehrwert für die Menschen, die Gesellschaft, für Wissenschaft und Wirtschaft gewonnen werden kann. „Aber wir fangen  gerade erst an“, betont Niklaus Waser, „gemeinsam mit unseren Kunden, die mit uns für eine Zeitlang Quartier in unserem Tower bezogen haben. Zurzeit arbeiten im Tower 700 Personen. Später werden es vielleicht 1000 sein.“

München hat sich weltweit gegen zahlreiche andere e Business-Zentren durchgesetzt. „Wir finden hier eine breite Palette an interessanten Anwendungsindustrien, exzellente Forschungseinrichtungen, kompetente Fachkräfte, zwei Exzellenz-Universitäten und bestens ausgebaute Infrastruktur wie den nahen Flughafen.“ Direkt in der Nachbarschaft sitzen bereits Amazon und Microsoft, in anderen Stadtteilen forschen die Entwickler von Siemens, General Electric und dem Telekom-Ausrüster Huawei. Die Lebensqualität von München und Umgebung sei sprichwörtlich, so falle es nicht schwer, die besten Kräfte aus der ganzen Welt hierher zu holen. Und natürlich sei ein Ereignis mit München untrennbar verbunden – das Oktoberfest.
Das Watson IoT-Center ist mit 200 Million en Dollar die größte IBM-Investition in Europa seit 20 Jahren.

Unter einem Global Headquarter erwarten viele ein Verwaltungszentrum, das Watson IoT Center aber ist im Wesentlichen ein Forschungszentrum für Lernende Systeme aller Art. So könnte man aus diversen zunächst unstrukturierten Daten von Eisenbahnwagen wichtige Informationen gewinnen, wann  der optimale Zeitpunkt für vorbeugende Instandhaltungen gekommen ist. Ärzte können bei bereits getroffenen Diagnosen darauf hingewiesen werden, dass vielleicht noch eine andere Erkrankung anzutreffen ist, wie sich aus Tausenden von Forschungsergebnissen herausgestellt hat. Watson spricht dabei Empfehlungen aus, nimmt dem Experten jedoch nicht die Entscheidung ab.
Waser: „Wir stellen uns drei Fragen bei unserer Arbeit: Wie können wir unsere Performance ständig verbessern? Wie können wir den Kundennutzen erhöhen, indem wir uns zum Beispiel ständig fragen, was der Kunde mit unseren Produkten macht? Und welche neuen Geschäftsfelder ergeben sich aus unserer Forschung?“

Der IBM-Manager musste zahlreiche Fragen der Kollegen beantworten. Hier einige Antworten:
Unter dem Internet der Dinge verstehen wir, dass die Dinge auf der technologischen Ebene miteinander kommunizieren und wir daraus mentale Intelligenz gewinnen. - Bedrohungen auf allen möglichen Gebieten werden bei uns simuliert, damit wir sie verstehen lernen, um sie zu verhindern. - Watson IoT arbeitet mit allen unseren Partnern weltweit zusammen und wird Experten aus aller Welt in München zusammenführen. - Wir arbeiten auch in enger Partnerschaft mit Berufsakademien, um die besten Studenten frühzeitig für uns zu interessieren. - Wir fördern Start-ups, die auch für eine Zeitlang im Tower arbeiten und damit sämtliche Tools nutzen können, die es im Hause gibt. - Jeder Kunde bleibt Eigentümer seiner Forschungsergebnisse. Die Leistung, die Forschungsergebnisse, die der Kunde bei uns zu gewinnen hofft, sind eine Investition. Er muss abwägen, ob dieser Gewinn höher sein wird als die Kosten. - Arbeitsplätze, die durch die Digitalisierung der Produktion und der Dienstleistungen entbehrlich werden, werden durch neu entstehende Geschäftsfelder und Produkte kompensiert. - Watson IoT bedient nicht den Endkunden, sondern hilft dem Endkunden, erfolgreicher zu werden.

Peter Schmalz, unser Club-Chef, der wieder souverän moderierte, dankte Niklaus Waser und gab seiner Hoffnung Ausdruck, ihn in angemessener Zeit wieder im Club begrüßen zu dürfen, um dann über Fortschritte berichten zu können.

Fotos: Robert Auerbacher.

Studio Unterföhring

Studio Unterföhring. Foto: Hans Schwepfinger.

Sie sind fast eine richtige kleine Stadt. Büros, große und kleine Hallen, Werkstätten, eine Kantine. Klamotten gibt es im Fundus und den passenden Maßkrug zum Outfit in der Requisite. Die Fernsehstudios des Bayerischen Rundfunks in Unterföhring waren Ziel einer Besichtigung von Mitgliedern des PresseClub München.

Ein gewisser Hauch von Wehmut weht an diesem Februartag übers Gelände. Ja doch, der BR müsse sparen, und nein, eine andere Chance als das Vergeben von Produktionen an externe Firmen gibt es nicht. Es ist der kleinste Standort des BR. In Freimann sitzen die aktuellen Fernsehkollegen, im Funkhaus der größte Teil der Verwaltung und des Hörfunks. Und Unterföhring?

 

Beim Betreten des Kostümfundus gleich zwei Warnungen: Schauen, wo man hintritt, nicht stolpern, und: „Hübsch beinander bleiben, wenn Sie nachher nicht mehr da sind, hat die Pheromonfalle zugeschlagen.“ Jede Menge Schubladen gleich hinter dem Ausgabetresen: Miesbacher Trachtenhüte, trachtige Trachtenhüte, Sommertrachtenhüte, graue Trachtenhüte … Hier lagern die Kostüme des BR, die für die verschiedensten Produktionen gebraucht werden. Ob München 7, Schleichfernsehen oder der Komödienstadl, alle werden oder wurden hier ausgestattet und eingekleidet.

 

Auf Hygiene wird im Fundus geachtet. Auch Lederklamotten werden gereinigt, bis hin zur Geruchsprobe gehen die Damen. Durchgehen dürfen die Besucher auch, „nichts rauszerren, und die Leitern kann man zur Seite schieben“. Justament bei unserem Besuch bereiteten die Damen die Kostüme für Helmut Schleich vor, der in der Woche Produktion hat. Ob Angela Merkel oder König Ludwig, hier wird Schleich geholfen. Daneben macht der Fundus auch für den ARD-Tatort oder den Nockherberg Beistellungen.

In den Regieräumen erhalten wir Einblick, wo die Bilder, Zuspielungen, Untertitel zusammenlaufen. In unserem Fall sind wir in der Regie von „Wir in Bayern“. Vier Studios gibt es in Unterföhring, zwei Regieräume. Das Herzstück des Standorts Freimann. Früher, so Scheidl, gab es die Riva-Studios, die hat der BR übernommen. Heute erinnert daran nichts mehr, hochmodernste Technik überall. Da, wo früher die MAZ (Magnetische Aufzeichnungstechnik, quasi die Zuspielung von Fernsehfilmen in Sendungen) saß, finden sich heute Server und Schränke für das Internet. Aus jedem der Regieräume kann jedes Studio angesteuert werden. Theoretisch, sagt Scheidl:

 

Und ein paar Schritte weiter steht der PresseClub in der Kulisse von „Wir in Bayern“. Gruppenfoto nach Regie von Johann Schwepfinger, dann erklärt Florian Scheidl die neue Rundkulisse von „Wir in Bayern“. Früher gab es eine halbe Kulisse, auf der einen Seite die Kameras, auf der anderen Seite die Moderatoren. Ein Meisterwerk aus der Kulissenwerkstatt in Unterföhring.

 

Nächste Station: Die Kulissenwerkstatt. Im Hintergrund läuft (wie sollte es auch anders sein?) Bayern 3, die Handwerker sind in der Mittagspause. Zeit, dass der PresseClub ungehindert besichtigen kann:

 

Grade gibt es nicht viel zu sehen, was aber bemerkenswert ist, an den Wänden hängt der eine oder andere Teil einer Kulisse, hier die perspektivische Front eines Bauernhauses, das wohl mal im Komödienstadl verwendet wurde, da auf Sperrholz aufgezogen das Logo von „Pumuckl TV“.

Nach den großen Teilen geht es rüber in die Requisite. Dort, wo die kleinen Teile lagern. Bücher, Thermometer in jeglicher Ausfertigung, ob für Wand oder Hand, auch Maßkrüge finden sich. Was man halt im Fernsehen zur lebensechten Ausstattung braucht:

 

Und damit endete die Führung für den PresseClub. Schön war es, dass wir uns ungestört umschauen konnten, fragen durften. Eine Fernsehproduktion sahen wir dieses Mal zwar nicht, dafür aber einen Fernsehstandort, der geölt wie eine Maschinerie läuft. Trotz der leichten Wehmut, die übers Gelände weht, weil der Standort Unterföhring zur Disposition steht. Schade, mag sich mancher denken. Der Besuch wurde bestens vorbereitet und eingefädelt von Anita Bauer-Duré, der stellvertretenden Vorsitzenden des PresseClubs. Sie war selbst lange Jahre beim Bayerischen Fernsehen und weiß auch heute noch die Kontakte von damals zu nutzen. Herzlichen Dank ihr – und unserem humorvollen, verständigen Führer Florian Scheidl, dem der PresseClub auch viel Erfolg für den Abschluss seiner Doktorarbeit wünscht.

Fotos: Hans Schwepfinger