Von „Fake News“ zu Deep Fakes

Experten diskutierten am 10. Juli im PresseClub über immer komplexere Bild- und Sprachmanipulationen

Dass sich Bilder manipulieren lassen, wissen nicht nur diejenigen, die Photoshop nutzen. Seit der Erfindung der Fotografie werden Köpfe ausgetauscht oder unliebsame Personen aus Bildern entfernt.

Julian Wörmann, Experte für Maschinelles Lernen vom fortiss Forschungsinstitut für softwareintensive Systeme und Services, veranschaulichte das in seinem Impulsvortrag anhand von Fotos von Abraham Lincoln und Josef Stalin.

Von „Fake News“ zu Deep Fakes. Foto: Anette Kolb.

Neue manipulative Möglichkeiten

Mit KI, der Künstlichen Intelligenz, erklärte Wörmann, stehen für Manipulationen nun viel effektivere Methoden bereit, und sie werden ständig besser. Denn die Programme nutzen zwei künstliche neuronale Netze, die sich gegenseitig trainieren (Generative Adversarial Networks: GAN).

Eines erzeuge etwa das Bild eines Menschen, das zweite unterscheide zwischen realem und „gefaktem“ Bild. Das erste Netzwerk lerne anhand einer riesigen Menge Daten so täuschend echte Mimik und Mundbewegungen etwa eines Menschen zu erzeugen, dass das zweite Netzwerk nicht mehr unterscheiden könne.

Mehr über Wörmann finden Sie auf der fortiss-Website, dort gibt es einen Text und ein Interview einer Journalistin mit ihm zum Thema „Deep Fakes erkennen“.

Welche Folgen haben solch schwerwiegende Manipulationen für die Glaubwürdigkeit von (Bewegt-)Bild und -Ton in unserer audiovisuell geprägten Gesellschaft? Eingeladen zu Vortrag und Podiumsdiskussion hatten der Bezirksverband München – Oberbayern des BJV, der Internationale PresseClub München und die Technisch-Literarische Gesellschaft (TELI) in Zusammenarbeit mit dem fortiss Forschungsinstitut des Freistaaats Bayern für softwareintensive Systeme und Services zu einer Diskussionsrunde „Von Fake News zu Deep Fake: totale Bild- und Sprachmanipulation – was Journalisten wissen sollten“. Rund 80 Besucher*innen verfolgten die Diskussionsrunde im vollbesetzten Münchner PresseClub.

Deep Fakes-Technologie: Wer trägt die Verantwortung?

Die Technologie, die Deep Fakes möglich macht, soll eigentlich etwa die Bildqualität bei Videokonferenzen verbessern oder Stimmgeschädigten eine realistische Stimme geben.

Neu sei die Perfidie, mit der etwa Politikern falsche Äußerungen in den Mund gelegt oder Gesichter von Prominenten in Pornovideos montiert werden könnten, führte Moderator Arno Kral von der TELI aus und fragte, welche Kompetenzen Journalist*innen benötigten, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Prof. Dr. Sonja Kretzschmar, Professorin für Innovation im Journalismus an der Universität der Bundeswehr München, sieht JournalistInnen in der Verantwortung, stärker zu hinterfragen, welche politischen Interessen hinter Veröffentlichungen von Deep Fakes stecken können.

Kretzschmar plädierte für eine Verzahnung mit Technik und Wissenschaft, die selbst nicht nur für die technische Neuentwicklungen zuständig seien, sondern auch dafür zu vermitteln, welche positiven und negativen Anwendungsmöglichkeiten sich aus den zum Teil kostenlos verfügbaren Programmen ergeben. Konzerne wie Facebook, die die Macht über riesige Datenmengen besäßen, seien im Zugzwang, ethische Regeln für den Umgang damit aufzustellen.

Deep Fakes verifizieren: Tools

Faktencheckerin Johanna Wild führt ihre Schulungen für Journalist*innen und Lehrende mit öffentlich zugänglichen Überprüfungs-Tools durch. Wild sieht Potenzial in Anwendungen, die Fotos und Videos mit „Wasserzeichen“ als verifiziert kennzeichnen können und weist darauf hin, Material immer auch in einen inhaltlichen Kontext einzuordnen, um die Echtheit zu prüfen.

Wild ist Gründerin der digitalen Fact-Checking-Agentur wafana und Koordinatorin für Tool-Entwicklung und AI beim investigativen Recherchenetzwerk Bellingcat.

Deep Fakes verbreiten: Wer trägt die Verantwortung?

Der Wissenschaftsjournalist Wolfgang Goede nimmt die „mündigen Bürger“ in die Pflicht, Nachrichten, Bild- und Tonmaterial vor der Weitergabe auch selbst zu prüfen, sonst seien sie Teil des betrügerischen Kreislaufs. Hierzu brauche es freilich mehr Medienkompetenz bei allen Beteiligten.

Die Frage, ob sich Blockchain-Technologie, mit der Transaktionen von digitalen Währungen nahezu in Echtzeit durchgeführt und verifiziert werden können, auch für die Überprüfung von Deep Fakes eignet, verneinte Dr. Hao Shen, ebenfalls Experte für Machine Learning bei fortiss. Das sei zu energieaufwändig. Eine einzige Technologie, die Deep Fakes erkennen oder gar abwehren könne, sei nicht in Sicht.

Shen war sich mit den Teilnehmer*innen des Podiums einig, dass eine intensivere interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Kommunikationsakteure zu diesem Thema notwendig sei.

Text und Foto: Anette Kolb, BJV Bezirksverband München- Oberbayern

PresseClub-Gespräch mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer

Ein Höhepunkt schon in den ersten Wochen dieses Jahres war der Besuch der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer im übervollen PresseClub. Mehr als eine Stunde lang beantwortete sie die Fragen der Mitglieder über ihre Wahl, ihr Verhältnis zur Bundeskanzlerin und zu ihrer Kollegin von der SPD. Für alle, die diesen außergewöhnlichen Besuch am 15. Februar verpasst haben oder ihn nochmals sehen wollen, hat unser Mitglied Laszlo C. Bacs zwei Videoaufnahmen zur Verfügung gestellt.

PresseClub-Gespräch mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer am 15. Februar 2019

Annegret Kramp-Karrenbauer am 15. Februar 2019 im PresseClub-München – Fragen und Antworten

Der PresseClub zu Gast bei den Bayerischen Wohn- und Werkstätten

Der PresseClub zu Gast bei den Bayerischen Wohn- und Werkstätten. Foto: Johann Schwepfinger.

Am Anfang war ein Test. Die Besucher erhielten Brillen mit denen ihnen demonstriert wurde, wie viel bzw. wenig man mit nur 20 Prozent Sehfähigkeit erkennen kann. Eine Gruppe von Mitgliedern des Presseclubs besuchte im Januar die Südbayerischen Wohn- und Werkstätten für Blinde und Sehbehinderte in München-Giesing im Wohnbereicder ehemaligen McGraw Kaserne. Dort wird u.a auch das Presseclub-Magazin versandfertig gemacht. Wer dort arbeitet ist blind oder stark sehbehindert und hat daneben noch eine oder mehrere weitere Behinderungen. Immer wieder bei unserem über zweistündigen Rundgang mussten wir staunen, was Männer und Frauen mit derart starken Beeinträchtigungen mit einfachen, aber klug gestalteten Hilfsmitteln zu Stande bringen können.

In den Werkstätten gibt es 70 Arbeitsplätze, dazu kommen 36 sogenannte Förderplätze für Personen, die eine besondere Betreuung brauchen. In vier Häusern gibt es 115 Wohnplätze. Ein Teil der Beschäftigten wohnt aber auch extern. Das SWW, so wird der lange Name der Einrichtung abgekürzt, gibt es sein nun 27 Jahren und Kunigunde Frey, die uns das alles gezeigt hat, ist als Leiterin von Werkstatt, Manufaktur und Förderstätte seit 22 Jahren dabei. So manche Hilfen, wie z.B. das tastbare Leitsystem könnten Vorbild für andere sein. Dass helles Licht in den Gängen und Räumen wichtig ist, auch wenn man fast nichts sieht, versteht man, wenn es erklärt wird. Aber die Stromrechnung kontrollierende Behörden haben damit Schwierigkeiten.

Wie können Blinde Altpapier sortieren? Ein Arbeitsbereich des SWW ist die Aktenvernichtung, die derzeit noch in einer Halle in der Nähe bearbeitet wird, aber ein neues Quartier sucht. Dort werden z.B. Altakten von Banken in speziellen Containern angeliefert und das Altpapier nach verschiedenen Sorten für das Recycling vorbereitet. Es klingt vielleicht etwas makaber, aber weil die Bearbeiter bzw. Bearbeiterinnen nur mit einem hoch entwickelten Sinn für Fühlen und Hören arbeiten und nicht lesen können, ist eine besondere Diskretion gewahrt.

Inklusion und Kunst, ein besonderes Anliegen von Kunigunde Frey. Seit rund 15 Jahren gibt es z.B. die Theatergruppe „Die Blindgänger“. Mit Begleitung durch eine erfahrene Regisseurin proben sie zur Zeit ein Stück „Three Steps to Paradise“, das am 20. März im HochX Theater in der Entenbachstraße Premiere haben wird. Der größte Wunsch der Theatertruppe ist einmal eine Theaterkritik, die losgelost von der Tatsache, dass Behinderte spielen, sich nur mit der künstlerischen Gestaltung auf der Bühne auseinandersetzt. Auch einen Chor und eine Band gibt es.

In der Weberei klicken und zischen große Webstühle, die speziell für die Bedürfnisse der dort Arbeitenden umgebaut worden sind und aus Stoffresten werden Sitzkissen und Teppiche geflochten, auch das mit entsprechend angepasstem Arbeitsgerät. Konfektionierung heißt eine Abteilung mit sehr unterschiedlichen Tätigkeiten. Dort werden je nach Auftrag z.B. Postversandarbeiten und andere Arbeiten mit Papier ebenso durchgeführt wie die Herstellung von Grillanzündern aus Abfallholz. Für eine Münchner Brauerei werden die gebrauchten Porzellanverschlüsse für Bierflaschen aufgearbeitet. Auch hier sehen wir, wie mit einfachen aber sehr klug ausgedachten Hilfsmitteln den Beschäftigten das Arbeiten möglich gemacht wird.

Ein feines Münchner Hotel ist Stammkunde der Töpferei und bezieht das Tischgeschirr von dort. Esshilfeteller für den eigenen Speisesaal des SWW mit einem gebogenen Rand und vieles mehr wird produziert, je nach Auftrag „von der Taufe bis zur Urne“ und neben der Gebrauchskeramik auch kunstvolle Figuren.

Beim Eingang am Roßtaler Weg 4 gibt es einen kleinen Shop, mit in den Werkstätten hergestellten Dingen. Es gäbe noch viel mehr zu berichten. Wer sich noch weiter informieren möchte, findet die SWW in Internet unter www.sww-muenchen.de.

Text: Dietmar Schmidt

Fotos: Johann Schwepfinger

Wo Nase und Gaumen zusammenspielen:

Der PresseClub in der Kaffee-Universität

Der PresseClub in der Kaffee-Universität. Foto: Johann Schwepfinger.

Auch die gibt es in München, die Universitá del Caffè – und sie steigerte das Interesse unserer Mitglieder derart, dass gleich zwei vierstündige Seminare für uns arrangiert werden mussten. Vier Stunden nur für Kaffee?

In einem modernen Bürogebäude empfangen uns die PR-Chefin Maria Stella Diana und Matthias Gerber, full Professore der Universitè, der uns kurzweilig um wichtige Grundkenntnisse über das Alltagsgetränk bereicherte. Wir befinden uns in einem Schulungsraum. Jeder Lernplatz ist mit einem Monitor ausgestattet. Am Regal vor uns blitzen chromverzierte Kaffee-, Espresso- und Cappuccino-Maschinen, der Traum eines jeden Barista, der in seinem Café, in seiner Bar oder seinem Ristorante wirkliche Kaffee-Kultur zelebrieren möchte; hinter uns etwas kleinere Geräte, an denen wir als gehobene Normalverbraucher unsere Träume festmachen können.

Uns umgibt die Welt von illycaffè, das 1933 von Francesco Illy in Triest gegründet nun in vierter Generation dem vollendeten Kaffeegenuss mit Leidenschaft dient. Ein Zitat von Ernesto Illy, der das Geschäft 1956 übernahm, begrüßt uns auf der Leinwand: „Kaffee fördert das Gespräch und die Freundschaft, er braucht Gemeinschaft. Kaffee sollte nie allein getrunken werden!“ Auf Italienisch klingt das sicher wie ein Gedicht.

Riccardo Illy rückte 1977 an die Spitze des Unternehmens. Sein Bruder Andrea Illy gab die heutige Leitlinie vor, der Welt neben dem besten Kaffee zugleich auch das beste Kaffee-Erlebnis zu bieten. „Um die Kultur des Kaffees weiter zu etablieren und auszubauen, hat illycaffè im Jahr 1999 die Università del Caffè gegründet“, heißt es in einer der vier Broschüren, die wir Kaffee-Studenten später überreicht bekommen. „Die Università kooperiert mit der Ernesto Illy-Stiftung in der Schaffung des ersten Masters in Kaffee-Wirtschaft und Wissenschaft.“

Wir lernen Interessantes über die Coffea-Pflanze und ihre Frucht. So zum Beispiel, dass die hochgeschätzte Sorte Arabica ursprünglich aus der äthiopischen Hochebene stammt, wo die Kaffeebäume schon mal bis zu zwölf Meter hoch wachsen, was das Ernten erschwert. Deshalb stutzt man die Büsche heute auf drei Meter. Inzwischen wächst Arabica auch in Guatemala, Brasilien und in vielen anderen Ländern, jeweils mit anderen Geschmacks-Nuancen; denn Natur und Boden spielen die entscheidende Rolle. Die erste Ernte im Jahr bringt den allerbesten Arabica, weshalb illy nur diese Bohnen bei Vertragsbauern kauft. Die Sorte Robusta ist weniger aromatisch und bitterer, wird aber Mischungen beigefügt, um den Geschmack abzurunden. Robusta enthält doppelt so viel Coffëin wie Arabica. Sagenhaft: Bei illy wird jede einzelne Bohne auf ihre einwandfreie Beschaffenheit geprüft – digital mit 400 Bohnen pro Sekunde.

Das Wasser sollte 7 bis 10 Härtegrade aufweisen, um einen guten Kaffee zu brauen. Aber wie ist es mit unseren Geschmacksnerven bestellt? Das dürfen wir an fünf verschiedenen Mineralwässern testen – na ja. Aber Kaffeekoster müssen sehr empfindliche Geschmacksnerven besitzen. Dazu kommt der Duft. Können wir sechs verschiedene Düfte erkennen? Jasmin von Rose, Karamell von Schokolade unterscheiden und den Geruch von Toastbrot erkennen? Kaffeegenuss entsteht im Zusammenspiel von Nase und Gaumen.

Bald versammeln wir uns vor einer Super-Kaffeemaschine, die alles kann. Wir lernen (fast) alles über Espresso-Richtungen und über die Crema, den Schaum, der verhindert, dass sich zu viele Aromen in die Umgebungsluft verflüchtigen. Anschließend darf jeder seinen eigenen Cappuccino brauen und die Kunst erlernen, auf den Milchschaum ein Herz oder eine Blume zu zaubern. Unserem Professore herzlichen Dank! Die vier Stunden sind im Fluge vergangen. Zum Abschied gibt es kunstvoll dekorierte illy-Espresso-Tassen, illy-Espresso in der Dose und Kaffee-Lektüre in einem Schuber Kaffee. Vom Coffëin beschwingt. Machen wir uns auf den Heimweg.

Text: Werner Siegert

Fotos: Johann Schwepfinger

Demokratien sterben leise …

Von links: Dr. Uwe Brückner, Marlo Thompson, Prof. Dr. Daniel Ziblatt. Foto: Inge Nestler.

Gut besucht war die Buchvorstellung von Prof. Dr. Daniel Ziblatt. Der Harvard-Professor für „Government Sciences“ fand internationale Beachtung mit einem Essay in der New York Times. Darin analysierte er die Aushöhlung demokratischer Verfassungen, die „schamlose Ausnutzung“ rechtlicher Spielräume und eine geradezu fanatische Feindschaft zwischen politischen Lagern, die nicht konsensfähig sei. Autokraten „vollziehen schleichend Machtübernahmen“ und „Institutionen und Zivilgesellschaften schauen tatenlos zu“. Sein darauf aufbauendes Fachbuch mit dem Titel „How Democracies Die“ („Wie Demokratien sterben“, dt. Ausgabe bei DVA) war jüngst Fachbuch des Jahres bei NY Times.

Mit Blick auf bundesdeutsche Verhältnisse bekräftigte Ziblatt den Wert kontroverser Debatten über öffentliche Angelegenheiten: „Wir brauchen keine Koalitionen zwischen politischen Freunden, sondern Koalitionen zwischen politischen Gegnern.“ Besondere Verantwortung tragen nach Ziblatt Journalisten und Medien, die eine Vielfalt von Argumenten und Fakten vermitteln sollten. Allerdings sei oft eine Verkürzung und sachferne Personifizierung zu erkennen.

Eine weitere Erkenntnis betraf die Korrelation zwischen Wohlstand und Wahlverhalten: „Selbst wenn es den Leuten gut geht, gibt es die Tendenz zu Populismus und Autokratismus“. Es schloss sich eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum in englischer Sprache an. Moderiert wurde die Veranstaltung von den Presseclub-Vorstandsmitgliedern Marlo Thompson und Uwe Brückner.

Text: Dr. Uwe Brueckner

Foto: Inge Nestler