Amerikaner schauen immer vorwärts – Hintergrundgespräch mit US-Generalkonsul Timothy Liston

Amerikaner schauen immer vorwärts – Hintergrundgespräch mit US-Generalkonsul Timothy Liston. Foto: Matthias J. Lange.

"Die Welt hat sich geändert seitdem ich in Deutschland bin", stellte der US-Generalkonsul Timothy Liston  fest. Der ranghöchste Vertreter der Vereinigten Staaten in Bayern ist seit 2021 in der bayerischen Landeshauptstadt und mit einer Münchnerin verheiratet. In einem Hintergrundgespräch im PresseClub München erläuterte er die US-amerikanische Position. Die Veranstaltung wurde von Anita Bauer-Duré moderiert.

Bei seinem Eintreffen in München war seine Aufgabe das Engagement der USA für Bayern und die transatlantische Partnerschaft zu bekräftigen. "Doch heute haben wir wieder Krieg in Europa durch den rechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine."

Über die Trump-Zeiten wollte Liston nicht sprechen. Er meinte diplomatisch im besten Deutsch mit bayerischem Akzent: "Amerikaner schauen immer vorwärts." Die Themen Verteidigung und Sicherheit sind seit Februar 2022 ganz präsent. "Es zeigt sich, wie wichtig die NATO ist." Die neutralen Staaten Finnland und Schweden stellen in der neuen Weltlage eine Beitrittsanfrage zur NATO.

"Die Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA ist so stark wie nie zuvor", erklärte der US-Generalkonsul. Seine Regierung unterstütze das ukrainische Volk in seinem Kampf gegen die russischen Invasoren mit Waffen, "mit denen sie sich nicht nur verteidigen, sondern siegen können."  Liston betonte: "Die Ukraine kämpft für uns, freien Handel und die Menschenrechte."

Der US-Generalkonsul lobte das deutsche Engagement. "Wir stehen Schulter an Schulter." Deutschland habe eine erhebliche Summe beigetragen und leiste eine enorme humanitäre Hilfe bei der Unterbringung der Flüchtlinge. "Ich könnte mir keinen besseren Partner als Deutschland vorstellen", so Timothy Liston.

Um die transatlantischen Beziehungen kümmert sich Liston aber weiterhin. Die American-Football-Liga NFL hatte im November 2022 München als Ausrichter für ihr erstes reguläres NFL-Spiel in Deutschland ausgewählt. Damals trafen die Tampa Bay Buccaneers und die Seattle Seahawks aufeinander. Liston bestätigte, dass Deutschland zwei weitere NFL-Spiele 2023 ausrichten soll. Ob München wieder mit von der Partie ist, könne er nicht sagen.

Aber auch in rechtlichen Angelegenheiten wie Rechtsextremismus oder Antizionismus müssten Deutschland und die Vereinigten Staaten wieder stärker zusammenarbeiten. "Ohne Zusammenarbeit können wir unsere Probleme in Deutschland und USA nicht lösen." Dies sagte Liston sicherlich auch in Richtung Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die der Veranstaltung im Münchner PresseClub beiwohnte.

Text und Foto: Matthias Lange/Redaktion 42

Zur Person Timothy Liston

Seit Juli 2021 vertritt US-Generalkonsul Timothy Liston sein Land in München. Er ist der ranghöchste Vertreter der Vereinigten Staaten in Bayern und wird in den nächsten Jahren die vielfältigen bayerisch-amerikanischen Aktivitäten leiten. Deutschland kennt er schon von früher als er Austauschstudent und Bundestagsstipendiat war. Er spricht fließend Deutsch mit bayerischem Akzent. Da er mit einer Münchnerin verheiratet ist, hat er eine besondere Beziehung zu Bayern und München. Seine diplomatischen Stationen waren unter anderem Vietnam, Wien, Berlin und Vilnius.

Disclaimer: Da es sich um ein Hintergrundgespräch im PresseClub München handelte, lag dieser Text der Pressestelle des US-Generalkonsulats zur Freigabe vor.

Buchpräsentation. Chefsache Metaverse – ein Praxisbuch für Unternehmen von Julia Finkeissen und Thomas R. Köhler

Buchpräsentation. Chefsache Metaverse – ein Praxisbuch für Unternehmen von Julia Finkeissen und Thomas R. Köhler. Foto: Matthias J. Lange.

Ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit – so lässt sich das gemeinsame Buch der beiden Professoren Julia Finkeissen und Thomas R. Köhler beschreiben: Chefsache Metaverse – ein Praxisbuch für Unternehmen. Das Buch aus dem Campus Verlag will eine Hilfestellung für Einsteiger aus der Wirtschaft geben. Zielgruppe sind also weniger Techies, als vielmehr Geschäftsleute auf der Suche nach dem 21. Jahrhundert. Daher bleibt es im Buch nicht nur bei virtuellen Welten von AR und VR, sondern NFT und Blockchain werden in diesem Rundumschlag unter dem Schlagwort Web3 angesprochen.

Buchpräsentation. Foto: Matthias J. Lange.

Köhler kommt vom IT-Journalismus – Metaverse ist sein 16. Buch – und Finkeissen aus der Startup-Szene im Medizinbereich sowie Kunst. Sie beleuchten bei ihrer Buchvorstellung im Münchner PresseClub das Thema Metaverse aus unterschiedlichen Business-Bereichen: Es gibt noch zu wenig anschauliche Beispiele aus der Praxis über die es sich zu berichten lohnt. Daher ist das Buch vielmehr eine Inspiration in dem Bereich endlich loszulegen, sonst verschlafen deutsche Unternehmen diese das Web3 ebenso wie sie Web 2.0 verschlafen haben. Die Einsatzbereiche vom Metaversum seien enorm, man müsse nur mal genau hinsehen und sein Geschäft hinterfragen. Am World Economic Forum in Davos referierte Meta-Produktchef Chris Cox zu den Erwartungen des Konzerns. Auch wenn der Hype bislang auf sich warten lässt – zu einer von der EU-Kommission organisierten Metaverse-Party tauchten gerade einmal fünf Gäste auf. Das Metaverse werde aber als Plattform eines Tages „so wichtig wie Smartphones“ sein.

Die gesamte Branche sei in Bewegung. Meta positioniert sich, gleichzeitig schließt Microsoft die Plattform AltspaceVR, Sony kommt Ende Februar mit seiner VR-Gamingplattform und alle Welt wartet darauf, was Apple als one more thing in Sachen VR-Brille vorstellen wird.

Aber dass etwas passiert, hiervon sind Julia Finkeissen und Thomas R. Köhler überzeugt. In ihrer sympathischen Buchvorstellung ohne technischen Ballast im Münchner PresseClub  erklärten sie: „Wir stehen an einer technologischen Schwelle.“ Es gibt einen guten Grund über das Metaverse zu sprechen, denn es passiere eine ganze Menge. „Was kommt nach der Zoom-Konferenz oder was bedeutet es für den Endverbraucher oder Unternehmer, die intern das Metaverse einsetzen?“ fragt Thomas R. Köhler. Das Autorenduo nennt Beispiele aus den Mode- oder Lifestyle-Bereichen wie Handtaschen und Sneakers. Dort schärfen Unternehmen ihre Marken für eine neue digitale Generation, um diese auch im virtuellen Raum an sich zu binden. In der Industrie sind so genannte digitale Zwillinge keine Neuheit mehr. Bevor an einer Fertigungssstrecke in der Realität Veränderungen vorgenommen werden, lassen sich an einer virtuellen Fertigungsanlage mögliche Folgen abschätzen und entsprechende unternehmerische Entscheidungen treffen. Solche Modelle gibt es schon seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, aber heute sind diese Umgebungen in Echtzeit betretbar.

Jetzt ist das Metaverse nicht nur etwas für eine nachwachsende junge, digitale Generation, wie Julia Finkeissen betont. Die Mutter betont: „Die nächste Generation ist schon da. Aber Ethik muss auch in diesen Welten stattfinden. Dafür braucht es uns Erwachsene, um den richtigen Rahmen für junge Menschen zu bereiten.“ Finkeissen, die sich auch stark mit digitaler Kunst und Kunsthandel beschäftigt, sieht im Metaverse eine große Chance für Galerien und Künstler selbst, um Ausstellungen zu kuratieren.

Das Metaversum kann auch im Gesundheitsbereich Fuß fassen. Es herrsche ein Ärztemangel und gleichzeitig sei der Beratungsbedarf bei der Pandemiegeneration mit psychischen Problemen enorm. Hier könne eine Beratung wie mentales Coaching in der virtuellen Welt einsetzen, um die Kostenexplosion in den Griff zu bekommen. „Es gibt unheimlich tolle Erfolgserlebnisse,“ so Julia Finkeissen, aber es gebe auch viel Skepsis. Daher ihr Aufruf: „Wir müssen uns da alle einbringen und mitgestalten.“

Bei der Buchvorstellung hatten die zahlreich anwesenden Journalisten im PresseClub die Möglichkeit die Quest 2 Brille von Meta auszuprobieren. Dabei war es für manche der erste Schritt in die virtuelle Welt.

Diskussion um Meta

Bei der Präsentation anwesend war auch Tino Krause, Regional Director Central Europe bei Meta. Aus Sicht des Unternehmens nahm er zum Metaverse Stellung. Die Reise dauere locker 15 Jahre. Alle 15 Jahre gebe es eine neue Computingplattform. Auch er sieht große Potenziale in den Bereichen Gesundheit und Bildung. „Wir behalten Bilder besser als Text und bewegte Bilder bleiben besser in Erinnerung als Fotos.“ Auch im handwerklichen Bereich „glauben wir an ein großes Potenzial“. Krause mahnte: Welche Rolle könne Europa spielen? Beim Web 2.0 habe Europa und Deutschland geschlafen. „Beim Web 3.0 haben wir neue Möglichkeiten. Diese Chancen dürfen wir nicht wieder vorbeiziehen lassen.“

Auf Nachfrage zur Rolle von Meta und Vertrauen, antworte Krause: „Wir haben Fehler gemacht und wurden zur Rechenschaft gezogen. Wir haben sehr hart gelernt. Wir haben eine große Verantwortung.“

Text, Fotos und Videos: Matthias Lange (redaktion42.de)

Buchvorstellung

Diskussion

Quest 2 Brille in Aktion

Motorworld München – Mobilität in jeder Form

Motorworld München - Mobilität in jeder Form

„Die Motorworld ist nun ein Teil von München und wir freuen uns hier zu sein und durchzustarten“, so Sebastian Olsowksi, Standortleiter der Motorworld München. „Mobilität in jeder Form steht bei uns im Mittelpunkt.“ Bei Motorworld München dreht es sich augenscheinlich in erster Linie um des Deutschen liebsten Kindes: Das Automobil.

Auf dem umfangreichen Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerkes der Deutschen Bahn ist ein eindrucksvolles Areal in München in der Nähe des Bahnhofs Freimann entstanden, das ein umfassendes und scheinbar durchdachtes Konzept beinhaltet, wie die Mitglieder des Internationalen PresseClub Münchens erfahren durften. Die Motorworld München stützt sich auf vier Säulen: Vermietung/Verkauf, Glasboxen, Tagungen/Events und Sonderprojekte. Auf den ersten Blick scheint das Millionenprojekt auf 75000 Quadratmeter aufzugehen. Alle Läden sind ausgebucht, bei den Glasboxen gibt es eine Warteschlange, das vier Sterne Hotel Ameron brummt, in den Konzerthalle wie das Zenith finden in dichter Folge Konzerte statt und beispielsweise Sotheby's führt Auktionen durch. Der Standort München ist der jüngste Sproß des schwäbischen Unternehmers Andreas Dünkel, dessen Familie mit Kiesabbau in Schemmerhofen in der Nähe von Biberach begann. Inzwischen ist die Motorworld Group eine nationale Holding mit eindrucksvollen Standorten in Berlin, Köln, Böblingen, Herten, Metzingen, Zürich und Rüsselsheim. Weitere Standorte wie Mallorca und Luxembourg sind begonnen, man blickt über die deutschen Grenzen hinaus.

Mobilität im Mittelpunkt

Sebastian Olsowksi und seine Kolleginnen Wiebke Deggau von der Pressestelle und Sybille Bayer von der Geschäftsleitung können eindrucksvolle Zahlen beim Rundgang mit den PresseClub-Mitgliedern vorweisen. Die unter Denkmalschutz stehende Lokhalle, in der einst Lokomotiven repariert wurden und in die nach 25 Jahren Stillstand nun neues Leben gekommen ist, hat gigantische Ausmaße: 185 Meter lang, 90 Meter breit und bis zu 18 Metern hoch - eine der größten freitragenden historischen Stahltragwerkshallen Europas. Die Halle und die zum Ensemble gehörenden Gebäude wurden in den vergangenen Jahren für einen Millionenbetrag aufwendig restauriert. Und dann kam zur Eröffnung Corona und kaum etwas ging. Motorworld überbrückte die Durststrecke und hielt durch. Heute ist viel Leben in dem Bauwerk mit seinen Shops, zahlreichen Restaurants und natürlich Autohändlern. Im Mittelpunkt steht alles rund um das Auto. Exklusiver Handel mit Luxusautomobilen, Sportwagen, Oldtimer, Bikes und E-Mobility, Fahrzeugaufbereitung und -veredelung, Pflege- und Wartungsservice sowie Lifestyle- und Merch-Shops. Die PresseClub-Mitglieder sahen das Who-is-Who der Autobranche: Hier eine Auswahl der Luxusmarken: BMW, McLaren, Bugatti, Rolls Royce, Porsche, Ferrari, Renault Alpine, Lotus, Morgan und Donkervoort sowie Mercedes AMG. Daneben gibt es acht gastronomische Betriebe und auch Shops wie Hutkönig aus Regensburg und die Bäckerei Höflinger mit einem originellen Kiosk samt Verkauf von hochwertigen Bildbänden rund ums Auto. Bei dem Besuch des PresseClubs wurde gerade für kurze Zeit eine Bugatti-Ausstellung eröffnet mit dem La Votiure Noire im Mittelpunkt - zahlreiche Car-Spotter mit ihren Kameras inklusive. Das meist fotografierte Automobil ist aber sicherlich der Nissan Sykline R34/GT-R von Paul Walker aus dem Actionfilm Fast and Furious 4. Sichtlich beeindruckt lud PresseClub-Ehrenvorsitzender Peter Schmalz das Team von Motorworld in die Räume des PresseClubs an den Marienplatz ein. „Wir haben zwar keine so große Räumlichkeiten wie Sie, aber wir können den Oberbürgermeister auf den Tisch schauen.“

Mit dem Auto ins Hotelzimmer

Das vier Sterne Hotel Ameron bietet seinen Gästen 156 Zimmer. Das Zimmer 157 ist ein Luxuswohnmobil von Carthago mit einer Belegungsrate von 70 Prozent. Durch Corona hat der Deutsche das Campen wieder lieben gelernt und das Luxuswohnmobil Carthago chic e-line mit privater Terrasse und Outdoor-Lounge zeigt, was für Geld möglich ist. Wenn die Liebe zu Automobil so groß ist, dann kann man in drei Car-Studios neben seinem Auto im Hotelzimmer nächtigen. Wer bei McLaren einen Flitzer in der Motorword erwirbt, der kann die erste Nacht mit seinem Auto verbringen, das ins Zimmer gefahren wird und hinter Glas betrachtet werden kann. Allerdings sollte so ein Zimmer mindestens ein halbes Jahr vorher gebucht werden, denn der Andrang ist enorm. Von wegen Krise und Inflation, das Geschäft in der Motorworld brummt. Auch die Tagungsräume muten eher wie ein Cockpit als wie ein schnöder Raum mit Tisch und Stuhl an. Alles ist durchdacht und die Themenräume bis ins Detail optimiert. So gibt es Räume zu Rennfahrer Legenden wie Hans-Joachim "Stritzel" Stuck, Leopold "Poldi" Prinz von Bayern und dem Gespann Walter Röhrl/Christian Geistdörfer, die in enger Zusammenarbeit mit diesen Legenden ausgestattet wurden.

Hier wirkt die Location auf die Seminarteilnehmer, die nicht nur Vortragsinput erhalten, sondern auch viel Mobilitätsemotionen. Es treffen sich hier die wahren Fans, die alles genau unter die Lupe nehmen. Die Begeisterung ist zu spüren. Findet der detailversessene Fan eine Ungenauigkeit in einem Themenraum, freuen sich die Mitarbeiter von Motorworld, wenn sie diesen Fehler korrigieren können - eben Fans unter sich. Eine Konkurrenz zur BMW Motorwelt und dem Verkehrsmuseum München sieht Standortleiter Sebastian Olsowksi nicht, „eher eine wunderbare Ergänzung.“

Blech hinter Glas

Ein Hingucker sind auf jeden Fall die 111 Glasboxen. Hier lässt sich die Leidenschaft der Deutschen für Autos spüren und vor allem sehen. Die durchsichtigen Boxen können von Liebhabern gemietet werden und dort ihr Auto unterstellen. Durch ein System wie ein Hochregal können die Glasboxen angesteuert werden und der Besitzer kann an 24 Stunden am Tag an sein Fahrzeug kommen - im Grunde eine edle Parkgarage. Hier stellen Sammler ihre kostbaren Autos ein und aus. Originell war aber auch, dass auch ein verstaubter Scheunenfund eines grauen VW-Käfers mit noch originalverpackter Stoßstange in einer Glasbox untergestellt wurde. Hier beweist Motorworld einen entsprechenden Humor.

Die Liste der Interessenten für eine Glasbox ist lang und im Zweifelsfall entscheidet der oberste Chef Andreas Dünkel welches Auto zugelassen wird. Unter der Hand war zu erfahren, dass es in München einen unausgesprochenen Aufnahmestopp von Porsche 911 gibt.

Und jetzt liegt es an uns

Für Journalisten und Blogger gibt es Hunderte von Geschichten in der Motorworld München zu entdecken. Daher kann der Rundgang mit dem PresseClub München nur ein Anfang gewesen sein. Jetzt geht die Detailarbeit und Recherchearbeit los. Interessant ist auch die Kommunikation der Motorworld selbst. Das Unternehmen ist in Instagram, Linkedin, YouTube und Facebook hauptsächlich vertreten und gibt ein kostenloses Online-Magazin heraus.

Text und Videos: Matthias J. Lange

Fotos: Matthias J. Lange

Videos von Matthias J. Lange

Neuer Vorstand beim PresseClub München e.V. gewählt

Neuer Vorstand beim PresseClub München e.V. gewählt.? Foto: Johann Schwepfinger.

Der größte und älteste Presseclub im Land hat am 21.11.2022 im Börsensaal der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern seinen neuen Vorstand gewählt: Darunter sind etliche junge JournalistInnen, Profis mit Ideen und Hintergrund.

Als Vorsitzender wieder gewählt wurde Dr. Uwe Brückner (Programmleitung „TV BAYERN live“). Mit Peter Althammer vom BR hat der Presseclub einen neuen, kompetenten und engagierten Schatzmeister gewonnen. Neue stellvertretende Vorsitzende ist Nelli Hennig von der Funke Mediengruppe. Im Amt als Stellvertreter bestätigt wurde Maximilian von Rossek, Programmleiter TV BAYERN LIVE.

Neu als Beisitzer im Vorstand ist Christine Kehrer von SOS Kinderdörfer International, Constanze von Hassel, Chefredakteurin der Bayerischen Gemeindezeitung, Hildegard Tröger-Samland, ehem. BMW Academy- Matthias Lange (Redaktion42) und Jürgen Schleifer vom BR. Die Neuzugänge ergänzen das bewährte Vorstandsteam: Daniel Fürg, Michael Helmerich, Taha Karem, Dr. Eva Moser, Manfred Otzelberger, Michael Pausder, Daniela Philippi, Ralf Scharnitzky, Petra Schmieder-Runschke und Marlo Thompson.

Der PresseClub München sieht sich als Gemeinschaft, die sich der Qualität im Journalismus verpflichtet hat und die Tradition des PresseClubs in die Zukunft trägt: Themen wie Fake News, Meinungsvielfalt, Meinungsfreiheit und viele mehr, werden in unserem Club verhandelt. Unabhängig und mit hoher Expertise steht unser Club auch für Ausbildung & Austausch. Die sog. „Vierte Gewalt“ im Staat, der Journalismus, findet in den Räumen des Münchner PresseClubs eine Heimat und scheut sich nicht Problemzonen und Perspektiven anzupacken.

Foto von Johann Schwepfinger: So strahlend präsentiert sich der neu gewählte Vorstand.

KI im Journalismus – Mehrwert oder Jobkiller?

KI im Journalismus – Mehrwert oder Jobkiller? Foto: Maximilian von Rossek.

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ (KI) ist für uns ein Begriff der zukünftigen Welt. Besonders in Science-Fiction Filmen werden Geschichten mit oder über KIs erzählt, manchmal auch als Horror- und Schreckensszenario, in dem die Maschinen die Macht über uns Menschen ergreifen. Beängstigend, aber theoretisch möglich, betrachtet man das exponentielle Wachstum neuer Technologien. Doch man muss nicht weit in die Zukunft blicken, bereits jetzt nutzen wir fast täglich künstliche Intelligenz ohne es wirklich zu wissen. Bei der Gesichtserkennung, um unser Handy zu entsperren oder aber auch bei unseren Internetsuchen. Besonders das Netz, das World Wide Web, ist davon geprägt, denn hier versuchen Algorithmen unser Verhalten zu analysieren, um uns ein sehr individuelles Angebot zu unterbreiten. Marktführer mit über 90% ist dabei die Suchmaschine Google, in deren Hintergrund im Millisekunden Bereich Auktionen stattfinden, um das beste Angebot an Artikeln, Informationen und letztlich auch Werbung für uns, den Nutzer, zu bieten. Dies erörterten im Münchner Presseclub Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Brückner mit seinen Podiumsgästen Dr. Thorsten Schmiege, Chef der BLM, und Prof. Dr. Stephanie Heineke, Studiendekan in Digital Psychologie an der Hochschule Fresenius. Denn bei sich selbst weiterentwickelten Algorithmen erscheint zwangsläufig die spannende Frage, „wenn der Content, den Suchmaschinen ausspucken, ebenfalls von Maschinen generiert wird, macht dies dann die bisherigen Content-Hersteller, zuweilen Journalisten, obsolet.“

Die Antwort: ja und nein, denn man muss sich dazu zunächst künstliche Intelligenz im heutigen Zustand ansehen. KI als „Übermensch“ gibt es noch nicht. Es sind vielmehr einzelne KI-Inseln für spezielle Aufgaben, die (noch) nicht miteinander kommunizieren. Die Auswahl und das miteinander verbinden für die passenden Aufgaben obliege noch dem Menschen, erörtert Prof. Heineke. So könne heutzutage ein Bot einen Text oder Textfragmente sinnhaft zusammenstellen und mit Daten und Fakten aus Tabellen ergänzen, so dass die Rezipienten eine für sie normale und nicht als computergenerierte Nachricht erkennen. Das belegen auch Studien aus den USA, so Heineke weiter. Allerdings seien menschlich verfasste Werke noch beliebter bei den Probanden. Mit der Vielzahl an Informationen im Internet und den lernenden Algorithmen werde die menschliche Komponente allerdings mehr und mehr nachgeahmt. Und genau hier sieht Dr. Schmiege das Problem - eigentlich mehr ein juristisches als ein soziologisches. Denn wer ist für die Texte und Inhalte verantwortlich? Der Verlag? Also, letztlich der Mensch, der eine finale Version des Textes redigiert und für die Veröffentlichung frei gibt?

Was aber wenn es aus Kosten- und Zeitgründen auch diese Stelle nicht mehr geben sollte? Das wird in kleineren Redaktionen oder bei belangloseren Themen (meist im Regionalsport) bereits so praktiziert. Hier wird mal schnell was durchgewunken, ohne eine dezidierte Korrektur oder Nacharbeit, was dann letztlich in fehlerhafter Version als „Perle des Lokaljournalismus“ bekannt wird. Aber: Besonders wenn die KI eine eigene Meinung entwickeln sollte, werde diese Frage essentiell. Dann spätestens müsse die Regulierungsbehörde einschreiten, so Schmiege.

Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, heißt es immer und auch wenn zu Beginn Schreckensszenarien beschrieben wurden, so kann die künstliche Intelligenz uns doch mehr helfen als Schaden. Ein Startup hat z. B. Avatare für Gebärdensprachen entwickelt, eine kostengünstige Ergänzung des Medienangebots, auch für kleinere TV-Redaktionen. Oder aber die intelligente Rückwärtssuche für Fakenews-Recherchen. Das sind nur zwei von vielen Anwendungsbeispielen, die den Journalismus unterstützen können, statt ihn zu ersetzen. Dr. Schmiege spricht von einer Jobänderung durch KI, nicht aber von einem Jobkiller. Und auch für Prof. Heineke steht die Ergänzung von KI, damit sich Journalistinnen und Journalisten auf das Wesentliche fokussieren und effizienter arbeiten können, stärker im Fokus, als die Kosteneinsparung von Personal bei den vielen, um Zuschauer und Leser konkurrierenden Medienunternehmen. Die alte Denkweise „Viele Medienunternehmen sorgen für Meinungsvielfalt“ gelte nicht mehr, so Schmiege sinnbildlich, wenn Algorithmen eine Filterfunktion bis hin zur individuellen Blase für jeden einzelnen Konsumenten erschaffen. Demnach müsse hier auch die Aufsicht aktiv werden, was sie auch mit modernen Mitteln und eben auch unter Zuhilfenahme von KI tue.

Und bei all der Diskussion um die Zukunft und die Digitalisierung dürfe man eines nicht unterschätzen, so Heineke, den „Faktor Mensch“. Denn letztlich seien wir Menschen soziale Wesen, die lieber mit Menschen kommunizieren als mit Maschinen.

Text und Foto: Maximilian von Rossek

Sehen Sie hier den Mitschnitt des PresseClub-Gesprächs vom 28.09.2022: