„Durch gute Arbeit überzeugen“ – Christian Kopp, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zu Gast im PresseClub

PresseClub München-Vorsitzender, Dr. Uwe Brückner, und Vorstandskollege Maximilian von Rossek rahmen den Landesbischof der evangelischen Kirche in Bayern, Christian Kopp, ein.

Zum dritten Mal war Landesbischof Christian Kopp zu Gast im PresseClub und stellte sich den Fragen des Vorsitzenden Dr. Uwe Brücker. Das gut einstündige Gespräch war eine wahre tour d’horizon und streifte die unterschiedlichsten Themen.

Zunächst stellte der Landesbischof ganz aktuell vor der Kommunalwahl die Social-Media-Kampagne der Evangelischen Landeskirche in Bayern „Unser starkes Kreuz für Demokratie“ vor. Einer der Schüssel für die Demokratie sei die Beteiligung, deshalb gelte es, Gesicht zu zeigen. Und das kann man in diesem Fall, indem man auf einer speziellen Seite ein Foto von sich hochlädt. „Gar nicht so unerfolgreich“ sei man angesichts beschränkter Mittel in den Sozialen Medien, so der Landesbischof.

Politisch auch, dass Christian Kopp alle 18-Jährigen angeschrieben hat, die vor kurzem Post von der Bundeswehr in Sachen Musterung und Wehrpflicht bekommen hatten. Unter dem Motto „Du bist nicht allein“ will er damit die Möglichkeit des darüber Redens und des sich Austauschens geben. Kopp sprach sich eindeutig dafür aus, dass Deutschland als Land in der Mitte eine Bundeswehr zur Verteidigung brauche. „Wir leben nicht in einem Wolkenkuckucksheim“, so der evangelische Geistliche, der seinerzeit selbst Wehrdienst geleistet hat.

Aber es ging natürlich auch um kirchliche Themen. Der Landesbischof zeigte besorgt darüber, dass das Interesse an Religion und Kirche in der individualisierten Welt stark zurückgehe. Umso mehr lobte er das ehrenamtliche Engagement der Kirche, das vor allem von Frauen geleistet werde und betonte die Wichtigkeit, dass in der Landessynode auch viele junge Leute eingebunden sind und mitreden. In diesem Zusammenhang sprach er sich auch für die Wahl ab 16 aus.

Sehr positiv äußerte sich Christian Kopp über den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Heiner Wilmer. Der katholische Bischof von Hildesheim setze sich sehr für die Annäherung der Konfessionen ein. Die funktioniere „auf hohem Niveau, aber bei gleichbleibenden klaren Fragen“. Große Hoffnungen setzt Kopp da auf 2030, wo in Augsburg das Jubiläum 500 Jahre Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis) begangen wird. Schließlich habe Philipp Melanchton das Gemeinsame, die Nähe der Konfessionen betonen wollen.

Nochmal zurück zur Politik. Natürlich wurde der Landesbischof auch zu Donald Trump und seinen kirchlich motivierten Unterstützern befragt. Der Diskurs müsse am Laufen gehalten werden, auch wenn es unendlich schwer sei. Und man müsse klar benennen, dass Nationalismus und christlicher Glaube spinnefeind seien. Kopp zeigte sich besorgt, dass die Polarisierung auch auf unsere Gesellschaft überschwappt.

Die Lage im Iran bezeichnete der Landesbischof als „absolut furchtbar“. Und befragt nach der Legitimität des Tyrannenmords meinte er: ein klassisches Dilemma. Die Gottesdiktatur habe zu viel Leid geführt. Aber er ist skeptisch, dass die Vorgänge im Iran auch zu einer Demokratie führen.

Abschließend wollte PresseClub-Ehrenmitglied Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern wissen, wie man die vielen Kirchenaustritte verhindern könne. „Durch gute Arbeit überzeugen“ – so die lapidare Antwort des Landesbischofs. Zuvor hatte er Pfarrer und Seelsorger als „unfassbar tollen Beruf“ bezeichnet. Der sei allerdings auch sehr anstrengend und fordere viel von einem selbst.

Text: Daniela Philippi
Foto: Bernd Lindenthaler

Mitglieder des PresseClubs besuchen das  Deutsche Theatermuseum in München

Mitglieder des PresseClubs besuchen das Deutsche Theatermuseum in München.

Am 01.03.2026 haben Mitglieder des Münchner PresseClubs dieses traditionsreiche Haus am Münchner Hofgarten besucht und tauchten unter sachkundiger Führung in die Welt des Theaters ein.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Making Theatre“ steht der Entstehungsprozess der jüngsten Inszenierung von „Romeo und Julia“ am Münchner Residenztheater. Durch eine sogenannte „Live-Kuration“ wurde der gesamte Prozess über Monate begleitet, alle Gewerke und Protagonisten wurden in ihrer Arbeit filmisch festgehalten und unterschiedlichste Artefakte (unter anderem auch Duftproben aus den diversen Bereichen hinter der Bühne) wurden dokumentiert und finden sich jetzt in Gläsern, Vitrinen oder ganz hautnah zum Anfassen wieder.

Höhepunkt und Schlussakkord der Ausstellung: Auf drei Projektionswänden wird der Premierenabend aus der Perspektive hinter der Bühne erlebbar gemacht. Wer genügend Zeit mitbringt, kann also mehr als drei Stunden "Romeo und Julia" aus einer ganz und gar ungewöhnlichen Perspektive genießen.

Wir danken Andrea Hauer, der Leiterin der Pressestelle, die im Vorfeld alles ganz wunderbar für uns organisiert hat! Und ein besonderes Dankeschön gilt Carolina Felberbaum, kuratorische Assistenz, die sich uns am Sonntagnachmittag gewidmet hat. Sie hat uns durch ihre tiefe Sachkenntnis wie auch Freude am Thema zu ganz besonderen Einblicken verholfen!

Das Deutsche Theatermuseum in München

 

Text: Hildegard Tröger
Fotos: Hildegard Tröger

Die Paralympics folgen Olympia

Die Paralympics folgen Olympia – wie die siebenfache Goldmedaillengewinnerin Anna Schaffelhuber und Skilegende Christian Neureuther im PresseClub für die Heilkraft des Sports kämpfen

Olympia in Cortina d‘Ampezzo ist vorbei, aber es gibt weiter Spitzensport: Am 6. März beginnen in Italien die Paralympics, sie gehen bis zum 15. März. Im PresseClub waren dazu die siebenfache Goldmedaillengewinnerin im Monoski, Anna Schaffelhuber, 30, und der ehemalige Skistar Christian Neureuther, 76, zu Gast. Die beiden kennen und schätzen sich sehr und sind leidenschaftliche Anwälte des Sports. „Ich zähle mein Leben nicht in Dekaden, sondern in Olympiaden“ erzählte Christian Neureuther, der dem Sport und der Ehe mit Rosi Mittermaier zuliebe sein Medizinstudium abgebrochen hatte. „Ich hatte Angst, dass die Rosi mir sonst der Hansi Hinterseer ausspannt“, erzählte er PresseClub-Moderator Manfred Otzelberger im Talk auf dem Podium. Aber dann wurde Neureuther, der immer auch unterhaltsam war (Dalli, Dalli ….. Sonntags-Stammtisch beim BR), ernster: „Deutschland braucht dringend wieder olympische Spiele, das würde uns so einen Schub geben. In Norwegen haben die Olympischen Spiele in Lillehammer 1994 das ganze Land verändert. Die Kinder können dort alle möglichen Sportarten ausprobieren und haben täglich Schulsport, bei uns fällt er oft aus. In Norwegen steht der Sport in der Verfassung, auch deshalb haben die Norweger wieder die Nationenwertung bei Olympia gewonnen.“

Auch Anna Schaffelhuber, die 2019 ihre Karriere beendet hat und heute Lehrerin und zweifache Mutter ist, wünscht sich Olympische Spiele, die ja immer nachfolgend mit den Paralympics verbunden sind: „Ein Olympisches Dorf ist zu hundert Prozent barrierefrei, das findet man sonst in München nicht. Von solchen Verbesserungen zehrt man als Gesellschaft jahrzehntelang. Es geht beim Sport nicht nur um die Sportler, sondern um die ganze Gesellschaft.“

Anna Schaffelhuber veranstaltet „Grenzenlos Camps“ für Jugendliche, behinderte und nichtbehinderte: „Da geht es um Sportarten wie Ski, Kajak und Klettern. Aber auch um Persönlichkeitsbildung und Medienkompetenz. Die Kinder lernen, wie man einen Film dreht. Und wie man sich auf Augenhöhe mit Behinderten im Rollstuhl begibt. Wir haben bereits 14 Camps veranstaltet, aber wir brauchen immer wieder Spenden und Sponsoren dafür.“

Schaffelhuber freut sich, dass die Paralympics jetzt wieder im Fernsehen mit guten Einschaltquoten zu sehen sind: „Es ist wichtig zu sehen, welche großartige Leistungen Menschen mit Behinderung bringen. Das beeinflusst auch ihren Stand in der Gesellschaft. Ich hatte großartige Eltern, die mir alles ermöglicht haben. Behindert habe ich mich in der Uni gefühlt wegen der vielen Barrieren, nicht am Berg und auf der Piste.“

Christian Neureuther, der mit seiner Stiftung, die er mit Sohn Felix betreibt, 180 000 Kinder in Bewegung gebracht hat, wünscht sich, dass jedes Kind in einen der 11500 bayerischen Sportvereine geht: „Die Kinder haben heute oft eine Bildschirmzeit von sechs Stunden, eine Stunde Sport täglich wäre wunderbar. Sonst haben wir immer mehr dicke, unbewegliche Kinder.“

Text: Manfred Otzelberger

Mitglieder des PresseClubs sind zu Gast im Sudetendeutschen Museum in München

Im Sudetendeutschen Museum

Am 20.01.26 haben Mitglieder des Münchner PresseClubs das Sudetendeutsche Museum in München besucht.

Es war ein beeindruckender Nachmittag, den die Teilnehmer in dem modernen Gebäude, das am Isarhochufer unweit des Gasteigs thront und von einigen Etagen spektakuläre Blicke aufs Münchner Stadtbild gewährt, erlebten:
Geführt von Eva Haupt, der Ausstellungskuratorin, konnten wir in alle Dimensionen der sudetendeutschen Geschichte eintauchen: Politik, Wirtschaft, Industrie, Handwerk und Handel, Kunst, Kultur und Religion – und natürlich Vertreibung nach Ende des Zweiten Weltkriegs und Wiederaufbau im Westen. Sämtliche Themenbereiche sind mit wunderbaren und vielfach überaus kostbaren Exponaten und Unikaten dokumentiert – so gewinnt Geschichte eine große Plastizität.

Was besonders berührte:
Einige Teilnehmer konnten aus eigenen Erleben über Vertreibung und Flucht berichten, was dem Besuch eine ganz eigene emotionale Tiefe verlieh.

Wir danken Museumsdirektor Dott. Stefan Planker sehr herzlich für seinen freundlichen und informativen Empfang!

Ebenso freuen wir uns, Daniel Mielcarek, M.A., kennengelernt zu haben. Er ist der Ansprechpartner für die Öffentlichkeitsarbeit und für alle, die im Nachgang weiteren Informationsbedarf haben, der richtige Ansprechpartner.

Unser ganz besonderer Dank gilt Eva Haupt, M.A., die uns mit so viel Sachkenntnis wie Herzblut durch die Etagen geleitet hat!

Text: Hildegard Tröger
Fotos: Hildegard Tröger

Jahresschlussgespräch im PresseClub München: Kardinal Marx über Aufarbeitung, Reformen und Hoffnung in Krisenzeiten

Kardinal Marx

Beim traditionellen Jahresendgespräch im PresseClub München stellte sich Kardinal Reinhard Marx den großen Fragen unserer Zeit – moderiert von Daniela Philippi, Vorstandsmitglied des PresseClubs. Das Gespräch zeigte einen Kirchenmann, der Herausforderungen offen benennt und zugleich an der Kraft von Verantwortung, Dialog und Hoffnung festhält.

Einen Tag nach Erscheinen der neuen Studie „Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt. Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022“ war der Missbrauchsskandal rund um die katholische Kirche unweigerlich Ausgangspunkt der Diskussion. Marx sprach spürbar bewegt über die Tragweite der Befunde und darüber, wie sehr ihn das Thema persönlich geprägt hat. „Das hat mein Bild von Kirche tief verändert“, sagte er. Die Aufarbeitung sei niemals abgeschlossen, die Perspektive der Betroffenen müsse immer im Zentrum stehen. Zugleich verwies er auf Fortschritte der vergangenen 15 Jahre: unabhängige Gremien, jährliche Gedenkfeiern und klarere Strukturen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage nach Reformen und Synodalität. Kardinal Marx begrüßte ausdrücklich die Haltung des neuen Papstes Leo XIV., die Synodalität, die Franziskus begonnen hat, weiterzuführen. Und sich dabei gleichzeitig selbst treu zu bleiben: „Er ist er geblieben, ruhig, sachlich, zuhörend, aber auch klar in seiner Orientierung.

Natürlich ging es auch darum, wie zeitgemäß das Zölibat ist und ob eine Änderung in Sicht sei. Falsche Hoffnungen wollte Marx an dieser Stelle nicht machen. „Als Bischof kann ich den jungen Männern, die jetzt Priester werden wollen, nur ganz ehrlich sagen: Das ist die Regel. Ihr müsst euch darauf vorbereiten.“

Ob und wann Frauen in der katholischen Kirche Ämter übernehmen werden, blieb ebenfalls offen. Aber es scheint nicht hoffnungslos zu sein. „Die Argumente, die gegen eine Einbeziehung der Frauen in das kirchliche Weiheamt sprechen, sind doch im Laufe meines Lebens immer schwächer geworden“, so Marx.

Auch zu gesellschaftspolitischen Themen nahm Marx Stellung. Die weltpolitische Lage, geprägt von Kriegen, geopolitischen Verschiebungen und dem Wiedererstarken nationaler Interessen, bereite ihm große Sorge. Kritisch äußerte er sich zur aktuellen Klimapolitik: „Da waren wir manchmal schon weiter.“ Das Thema Migration sehe er dagegen nicht als Bedrohungsszenario, sondern als eine globale Realität: „Wir brauchen ja eine Einwanderung, wir brauchen eine Bevölkerungsentwicklung, die auch vielschichtig und vielfältig ist, das ist ja überhaupt keine Frage.“ Was man beachten müsse, ist, dass die Grenzen sicher seien, dass es faire Verfahren gebe und niemand zurückgeschickt wird in eine Situation, in der Leib und Leben bedroht seien. Das Verhalten der Politik, Migration als Problemthema darzustellen und Abschiebungen als politischen Erfolg zu inszenieren, verurteilte er.

Ein weiteres Thema war der Wandel der Kirche vor Ort angesichts sinkender Priesterzahlen. Marx warb für neue Leitungsmodelle, stärkere Einbindung von Laien und realistische Gebäudestrategien. Gleichzeitig hob er positive Entwicklungen hervor – etwa steigende Zahlen bei Erwachsenentaufen oder innovative Projekte wie der Bildungscampus in Traunstein oder die Wiederbelebung des Klosters Beuerberg. „Wir können nicht alle Institutionen, alle Häuser, alle Gebäude, vielleicht noch nicht einmal alle Kirchen weiter aufrechterhalten. Aber da, wo es Konzepte und zukunftsfähige Pläne gibt, wo Menschen brennen, müssen wir investieren.“

Trotz aller Krisen, Spannungen und persönlicher Belastungen blieb eine Haltung spürbar, die Marx immer wieder betont: die Hoffnung. Weihnachten ist ein Gegenzeichen gegen die Logik der Macht. Hoffnung sei kein naiver Optimismus, sondern eine Widerstandskraft gegen Zynismus und Resignation. Das Evangelium bleibt wichtig – gerade jetzt. Und Christen dürfen nicht nachlassen, davon zu erzählen.

Sehen Sie hier den Mitschnitt des PresseClub-Gesprächs vom 9.12.2025:

Text: Nelli Hennig
Fotos: Johann Schwepfinger