PresseClub goes Medientage 2019 –

auch heuer wieder mit erfolgreicher Beteiligung des PresseClub München, der u.a. das clubeigene Mentoringprogramm mit konkreten Beispielen präsentierte.

PresseClub goes Medientage 2019. Foto: Johann Schwepfinger.

Am 23., 24. und 25. Oktober ging es am Stand des PresseClubs aber auch um Journalismus allgemein und die Situation der Frauen in diesem Beruf.

Wichtiger Programmpunkt  war „Rainbow Refugees“ – ein Projekt mit Schilderungen  von Frauen und Männern, die wegen ihrer sexuellen Orientierung aus ihrer Heimat fliehen mussten. Der daraus entstandene Berichtsband, an dessen Realisierung  der PresseClub mitgewirkt hat, lag auf der Messe kostenlos aus.

Text: Helmut Gierke

Fotos: Johann Schwepfinger

Strom oder Gas? PresseClub-Forum über die umweltfreundlichsten Stadtbusse der Zukunft

Bund der Steuerzahler in Bayern kritisiert EU-Richtlinie scharf – Steuerzahlerpräsident von Hohenhau kündigt massiven Widerstand gegen einseitige Bevorzugung der Elektromobilität an und will notfalls „auch der CSU in Bayern auf die Füsse treten“

Strom oder Gas? PresseClub-Forum über die umweltfreundlichsten Stadtbusse der Zukunft. Foto: Dr. h. c. Rudolf G. Maier.

Der Präsident des Bundes Steuerzahler in Bayern Rolf von Hohenhau wirft der EU eine „gigantische Verschwendung“ von Steuergeldern vor. Anlass für die Kritik ist die im April verabschiedete Clean-Vehicels Richtlinie. Die schreibt allen Verkehrsbetrieben vor, schon bald einen Teil ihrer Flotten mit Elektrobussen auszustatten. Diese seien, so beklagte Hohenhau  am Mittwoch abend (16.10.2019) im Münchner Presseclub, mindestens doppelt so teuer als beispielsweise die Biogasbusse in Augsburg.

Unterstützung für seine Kritik bekam er von Prof. Ralph Pütz von der Hochschule Landshut. Laut Pütz haben aktuell alle Elektrobus-Varianten eine deutliche schlechtere Klimabilanz als Busse, die mit Biomethan fahren. Selbst Dieselbusse seien aktuell deutlich sauberer als solche mit Batterieantrieb. Auch wenn im Jahr 2030 der Anteil regenerativer Energien deutlich höher sein wird als heute, werden nach Überzeugung des Landshuter Nutzfahrzeugexperten die E-Busse keine signifikanten Umweltvorteile haben, weiter aber weiter deutlich teurer sein. Die erforderlichen zusätzlichen Investitionskosten durch die gesetzlich aus Brüssel verordnete Umstellung auf den Batterieantrieb schätzt Pütz bis zum Jahr 2030 in Deutschland auf 30 Milliarden Euro. „Dieses Geld“, so warnte Klaus Röder von den Stadtwerken Augsburg werde „beim dringend erforderlichen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs fehlen“. In Augsburg fahren alle 100 städtischen Busse seit 2011 mit Biomethan. „Wir haben die umweltfreundlichste Flotte in ganz Deutschland“, sagte Röder. „Wir fahren CO2-neutral, die Stickoxide sind minimiert, Feinstaub ist kein Thema“. Von politischer Seite wünscht er sich "mehr Rückenwind" für diese äußerst wirtschaftliche und klimafreundliche Technologie.

Der Bund der Steuerzahler will die Technologieoffenheit mit einer internationalen Kampagne einfordern. Die EU-Richtlinie, die einseitig die Elektromobilität vorschreibe, sei eine „Technologiediktatur“, schimpfte Steuerzahler-Vizepräsident Michael Jäger. Sie sei weder ökonomisch, noch ökologisch, sondern eine Unverschämtheit gegenüber den Steuerzahlern. Kämpferisch gab sich auch von Hohenhau: „Wenn ich sehe, dass wir dadurch dreimal so hohe Kosten haben, werden wir Krawall schlagen. Wir werden uns massiv wehren.“ Dabei will das CSU-Mitglied notfalls auch auf Konfrontationskurs zur eigenen Partei gehen. Während Pütz frustriert aus der CSU ausgetreten ist, weil sie und insbesondere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Manfred Weber, der Spitzenkandidat der Union bei der letzten Europawahl, nicht auf seine kritischen Anmerkungen reagiert hätten, will Hohenhau, der für die CSU im Augsburger Stadtrat sitzt, die eigene Partei nicht schonen. „Sie können sicher sein, dass wir auch der CSU in Bayern auf die Füße treten werden“, gab sich der Steuerzahlerpräsident im Münchner Presseclub kampfeslustig. (ca)

Text: Christoph Arnowski

Foto: Dr. h. c. Rudolf G. Maier

Von „Fake News“ zu Deep Fakes

Experten diskutierten am 10. Juli im PresseClub über immer komplexere Bild- und Sprachmanipulationen

Dass sich Bilder manipulieren lassen, wissen nicht nur diejenigen, die Photoshop nutzen. Seit der Erfindung der Fotografie werden Köpfe ausgetauscht oder unliebsame Personen aus Bildern entfernt.

Julian Wörmann, Experte für Maschinelles Lernen vom fortiss Forschungsinstitut für softwareintensive Systeme und Services, veranschaulichte das in seinem Impulsvortrag anhand von Fotos von Abraham Lincoln und Josef Stalin.

Von „Fake News“ zu Deep Fakes. Foto: Anette Kolb.

Neue manipulative Möglichkeiten

Mit KI, der Künstlichen Intelligenz, erklärte Wörmann, stehen für Manipulationen nun viel effektivere Methoden bereit, und sie werden ständig besser. Denn die Programme nutzen zwei künstliche neuronale Netze, die sich gegenseitig trainieren (Generative Adversarial Networks: GAN).

Eines erzeuge etwa das Bild eines Menschen, das zweite unterscheide zwischen realem und „gefaktem“ Bild. Das erste Netzwerk lerne anhand einer riesigen Menge Daten so täuschend echte Mimik und Mundbewegungen etwa eines Menschen zu erzeugen, dass das zweite Netzwerk nicht mehr unterscheiden könne.

Mehr über Wörmann finden Sie auf der fortiss-Website, dort gibt es einen Text und ein Interview einer Journalistin mit ihm zum Thema „Deep Fakes erkennen“.

Welche Folgen haben solch schwerwiegende Manipulationen für die Glaubwürdigkeit von (Bewegt-)Bild und -Ton in unserer audiovisuell geprägten Gesellschaft? Eingeladen zu Vortrag und Podiumsdiskussion hatten der Bezirksverband München – Oberbayern des BJV, der Internationale PresseClub München und die Technisch-Literarische Gesellschaft (TELI) in Zusammenarbeit mit dem fortiss Forschungsinstitut des Freistaaats Bayern für softwareintensive Systeme und Services zu einer Diskussionsrunde „Von Fake News zu Deep Fake: totale Bild- und Sprachmanipulation – was Journalisten wissen sollten“. Rund 80 Besucher*innen verfolgten die Diskussionsrunde im vollbesetzten Münchner PresseClub.

Deep Fakes-Technologie: Wer trägt die Verantwortung?

Die Technologie, die Deep Fakes möglich macht, soll eigentlich etwa die Bildqualität bei Videokonferenzen verbessern oder Stimmgeschädigten eine realistische Stimme geben.

Neu sei die Perfidie, mit der etwa Politikern falsche Äußerungen in den Mund gelegt oder Gesichter von Prominenten in Pornovideos montiert werden könnten, führte Moderator Arno Kral von der TELI aus und fragte, welche Kompetenzen Journalist*innen benötigten, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Prof. Dr. Sonja Kretzschmar, Professorin für Innovation im Journalismus an der Universität der Bundeswehr München, sieht JournalistInnen in der Verantwortung, stärker zu hinterfragen, welche politischen Interessen hinter Veröffentlichungen von Deep Fakes stecken können.

Kretzschmar plädierte für eine Verzahnung mit Technik und Wissenschaft, die selbst nicht nur für die technische Neuentwicklungen zuständig seien, sondern auch dafür zu vermitteln, welche positiven und negativen Anwendungsmöglichkeiten sich aus den zum Teil kostenlos verfügbaren Programmen ergeben. Konzerne wie Facebook, die die Macht über riesige Datenmengen besäßen, seien im Zugzwang, ethische Regeln für den Umgang damit aufzustellen.

Deep Fakes verifizieren: Tools

Faktencheckerin Johanna Wild führt ihre Schulungen für Journalist*innen und Lehrende mit öffentlich zugänglichen Überprüfungs-Tools durch. Wild sieht Potenzial in Anwendungen, die Fotos und Videos mit „Wasserzeichen“ als verifiziert kennzeichnen können und weist darauf hin, Material immer auch in einen inhaltlichen Kontext einzuordnen, um die Echtheit zu prüfen.

Wild ist Gründerin der digitalen Fact-Checking-Agentur wafana und Koordinatorin für Tool-Entwicklung und AI beim investigativen Recherchenetzwerk Bellingcat.

Deep Fakes verbreiten: Wer trägt die Verantwortung?

Der Wissenschaftsjournalist Wolfgang Goede nimmt die „mündigen Bürger“ in die Pflicht, Nachrichten, Bild- und Tonmaterial vor der Weitergabe auch selbst zu prüfen, sonst seien sie Teil des betrügerischen Kreislaufs. Hierzu brauche es freilich mehr Medienkompetenz bei allen Beteiligten.

Die Frage, ob sich Blockchain-Technologie, mit der Transaktionen von digitalen Währungen nahezu in Echtzeit durchgeführt und verifiziert werden können, auch für die Überprüfung von Deep Fakes eignet, verneinte Dr. Hao Shen, ebenfalls Experte für Machine Learning bei fortiss. Das sei zu energieaufwändig. Eine einzige Technologie, die Deep Fakes erkennen oder gar abwehren könne, sei nicht in Sicht.

Shen war sich mit den Teilnehmer*innen des Podiums einig, dass eine intensivere interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Kommunikationsakteure zu diesem Thema notwendig sei.

Text und Foto: Anette Kolb, BJV Bezirksverband München- Oberbayern

PresseClub-Gespräch mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer

Ein Höhepunkt schon in den ersten Wochen dieses Jahres war der Besuch der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer im übervollen PresseClub. Mehr als eine Stunde lang beantwortete sie die Fragen der Mitglieder über ihre Wahl, ihr Verhältnis zur Bundeskanzlerin und zu ihrer Kollegin von der SPD. Für alle, die diesen außergewöhnlichen Besuch am 15. Februar verpasst haben oder ihn nochmals sehen wollen, hat unser Mitglied Laszlo C. Bacs zwei Videoaufnahmen zur Verfügung gestellt.

PresseClub-Gespräch mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer am 15. Februar 2019

Annegret Kramp-Karrenbauer am 15. Februar 2019 im PresseClub-München – Fragen und Antworten

Der PresseClub zu Gast bei den Bayerischen Wohn- und Werkstätten

Der PresseClub zu Gast bei den Bayerischen Wohn- und Werkstätten. Foto: Johann Schwepfinger.

Am Anfang war ein Test. Die Besucher erhielten Brillen mit denen ihnen demonstriert wurde, wie viel bzw. wenig man mit nur 20 Prozent Sehfähigkeit erkennen kann. Eine Gruppe von Mitgliedern des Presseclubs besuchte im Januar die Südbayerischen Wohn- und Werkstätten für Blinde und Sehbehinderte in München-Giesing im Wohnbereicder ehemaligen McGraw Kaserne. Dort wird u.a auch das Presseclub-Magazin versandfertig gemacht. Wer dort arbeitet ist blind oder stark sehbehindert und hat daneben noch eine oder mehrere weitere Behinderungen. Immer wieder bei unserem über zweistündigen Rundgang mussten wir staunen, was Männer und Frauen mit derart starken Beeinträchtigungen mit einfachen, aber klug gestalteten Hilfsmitteln zu Stande bringen können.

In den Werkstätten gibt es 70 Arbeitsplätze, dazu kommen 36 sogenannte Förderplätze für Personen, die eine besondere Betreuung brauchen. In vier Häusern gibt es 115 Wohnplätze. Ein Teil der Beschäftigten wohnt aber auch extern. Das SWW, so wird der lange Name der Einrichtung abgekürzt, gibt es sein nun 27 Jahren und Kunigunde Frey, die uns das alles gezeigt hat, ist als Leiterin von Werkstatt, Manufaktur und Förderstätte seit 22 Jahren dabei. So manche Hilfen, wie z.B. das tastbare Leitsystem könnten Vorbild für andere sein. Dass helles Licht in den Gängen und Räumen wichtig ist, auch wenn man fast nichts sieht, versteht man, wenn es erklärt wird. Aber die Stromrechnung kontrollierende Behörden haben damit Schwierigkeiten.

Wie können Blinde Altpapier sortieren? Ein Arbeitsbereich des SWW ist die Aktenvernichtung, die derzeit noch in einer Halle in der Nähe bearbeitet wird, aber ein neues Quartier sucht. Dort werden z.B. Altakten von Banken in speziellen Containern angeliefert und das Altpapier nach verschiedenen Sorten für das Recycling vorbereitet. Es klingt vielleicht etwas makaber, aber weil die Bearbeiter bzw. Bearbeiterinnen nur mit einem hoch entwickelten Sinn für Fühlen und Hören arbeiten und nicht lesen können, ist eine besondere Diskretion gewahrt.

Inklusion und Kunst, ein besonderes Anliegen von Kunigunde Frey. Seit rund 15 Jahren gibt es z.B. die Theatergruppe „Die Blindgänger“. Mit Begleitung durch eine erfahrene Regisseurin proben sie zur Zeit ein Stück „Three Steps to Paradise“, das am 20. März im HochX Theater in der Entenbachstraße Premiere haben wird. Der größte Wunsch der Theatertruppe ist einmal eine Theaterkritik, die losgelost von der Tatsache, dass Behinderte spielen, sich nur mit der künstlerischen Gestaltung auf der Bühne auseinandersetzt. Auch einen Chor und eine Band gibt es.

In der Weberei klicken und zischen große Webstühle, die speziell für die Bedürfnisse der dort Arbeitenden umgebaut worden sind und aus Stoffresten werden Sitzkissen und Teppiche geflochten, auch das mit entsprechend angepasstem Arbeitsgerät. Konfektionierung heißt eine Abteilung mit sehr unterschiedlichen Tätigkeiten. Dort werden je nach Auftrag z.B. Postversandarbeiten und andere Arbeiten mit Papier ebenso durchgeführt wie die Herstellung von Grillanzündern aus Abfallholz. Für eine Münchner Brauerei werden die gebrauchten Porzellanverschlüsse für Bierflaschen aufgearbeitet. Auch hier sehen wir, wie mit einfachen aber sehr klug ausgedachten Hilfsmitteln den Beschäftigten das Arbeiten möglich gemacht wird.

Ein feines Münchner Hotel ist Stammkunde der Töpferei und bezieht das Tischgeschirr von dort. Esshilfeteller für den eigenen Speisesaal des SWW mit einem gebogenen Rand und vieles mehr wird produziert, je nach Auftrag „von der Taufe bis zur Urne“ und neben der Gebrauchskeramik auch kunstvolle Figuren.

Beim Eingang am Roßtaler Weg 4 gibt es einen kleinen Shop, mit in den Werkstätten hergestellten Dingen. Es gäbe noch viel mehr zu berichten. Wer sich noch weiter informieren möchte, findet die SWW in Internet unter www.sww-muenchen.de.

Text: Dietmar Schmidt

Fotos: Johann Schwepfinger